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Regina Bendix
ÖZV LVIII/ 107
als auch das Gastverhalten selbst ein Gespräch bei Tisch verlangen,trug denn auch dazu bei, dass Konversationsfähigkeit, Übung in undAuswahl von angemessenen Tafelthemen Teil des Kataloges guterManieren und der„, Gesellschaftsfähigkeit“ darstellten.
Essen im Restaurant
Die vielen kulinarischen, ökonomischen und stilistischen Unterschie-de zwischen Gaststätten sowie die unterschiedlichen Grade der Ge-wandtheit mit diesem Facettenreichtum seitens( bezahlender) Gästekönnen hier nicht eingearbeitet werden, obwohl jede Variable einensignifikanten Einfluss auf das Reden beim eigentlichen Essen habenkann. Einige grundsätzliche Unterschiede zur Mahlzeit zu Hauseergeben sich rein aus der Situation außer Haus, genauso wie auchClaude Lévi- Strauss zwischen einer ,, Endo- Küche“ und einer ,, Exo-Küche unterschieden hat.
So fällt die Freude oder Bürde der Zubereitung des Mahls und desnachträglichen Aufräumens weg. Der Gast bezahlt für diesen Dienst,und die dadurch erkaufte freie Zeit bietet sich bereits als Gelegenheitzur Geselligkeit an. Verschiedene Angestellte, versehen mit hierar-chischen oder aufgabenverbundenen Titeln wie Ober oder Kellnerin,unterbrechen das Gespräch der Gäste, um Bestellungen aufzunehmen( und dabei oft auch über Spezialitäten zu informieren oder demUnentschlossenen Rat zu geben), Speisen zu bringen und abzuräumenund sich regelmäßig nach der Zufriedenheit der Gäste zu erkundigen.Obwohl das Personal in manchen Etablissements strengen Regelnbezüglich des Ausmaßes an eigener Rede gehorcht- die lockeren,geschwätzigen Kellner und Kellnerinnen der USA sind in Europanoch wenig verbreitet- verleiht die Involvierung dieser Außenseiterin das intimere Gespräch der Tafelrunde oder Zweisamkeit demReden beim auswärts Essen einen äußeren Rahmen, der das spieleri-sche und performative Potential der Mahlzeit erhöht.31 Die Gaststubewird zur Kulisse, die Fähigkeit, sich vom Alltag abgesetzt in einGespräch zu vertiefen oder sich und seine Tischgesellschaft in gestei-gerter Form in Szene zu setzen, kann das Essen zum Ereignis machen
31 Zu diesem Bereich hat Joanne Finkelstein eine allerdings recht allgemein gehal-tene Studie vorgelegt, die in ihrem bisweilen zynisch- kritischen Ton auch dasanalytische Potential reduziert( 1989).