Aufsatz in einer Zeitschrift 
Reden und Essen : kommunikationsethnographische Ansätze zur Ethnologie der Mahlzeit
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Regina Bendix

ÖZV LVIII/ 107

Mutter: Welcher?

Tochter 2: Käse

Vater( Geräusch)

Tochter 1: Den würde ich nit

Mutter:

Das ist der Blauschimmelkäse

Tochter 1:

Den würde ich nit essen

Mutter:

Den haben wir wie verrückt gegessen, wie die Franzosen da

waren

Tochter 2:

Jaha

Tochter 1:Mutter:

Hamma auch

Tja. Dann nicht mehr

Tochter 1:

Mag auch mal bitte den Quark haben?

Vater:

Mutter:

Tochter 1:

Vater:Mutter:

Tochter 2:Mutter:Tochter 2:Mutter:

Tochter 1:Mutter:

Den müsst ich auch mal probieren

Ich habe gefragt

Sach ma, wollste nich irgendwann einmal diesen Blauschim-melkäse probieren?

Gleich

Den hatten wir doch schon

Den hattet ihr wohl aufgegessen, bevor Euer Vater dran kamAh

Den wollte er gern mal probieren und dann war er wegTja, wer zu spät kommt

Knotet der, der, der Schnittlauch, der riecht vielleicht, derschmeckt

Der schmeckt komisch

Der schwätzt mit mir bestimmt die ganze Nacht, da wett ichdrauf

Tochter 1: Pech gehabt

-

Die Mitglieder von Familie J. reden während der ersten Minute desgemeinsamen Essens über das, was es zu essen gibt die Auswahlund Qualität sowie wer was mag. In den verbleibenden 27 Minutender Mahlzeit werden Geburtstagspläne besprochen, Episoden aus derKlassenfahrt reihen sich zu einer kleinen, wenn auch oft unterbroche-nen Erzählung aneinander: Das Thema ist der dort anfallende Mahl-zeitendienst, was prompt zu einer Diskussion um den Frühstücks-dienst im eigenen Haushalt führt; es werden zwar immer wiederNahrungsmittel erwähnt, die herumgereicht werden, aber nach demanfänglichen Schwerpunkt rückt das Essen selbst in den Hintergrund.Die Töchter sind in einem Alter, wo sie ihre Eltern fast gleichEbenbürtigen durchaus etwas foppen können, und sie werden kaummehr zurecht gewiesen. Aber an einem anderen Tag liegen die Launen