2004, Heft 3
Ding und Bedeutung
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schen Dichters Ewald von Kleist, der 44- jährig an einer in derSchlacht von Kunersdorf erlittenen Verwundung gestorben war. DieZeichen in der Dose stimmen überein mit den Zeichen auf demGrabmal Kleists, das ihm von einer Freimaurerloge in Frankfurt ander Oder 20 Jahre nach seinem Tode errichtet wurde. Dieses Grabmalvon 1779 gilt als erstes deutsches Dichterdenkmal. Zwei Jahre späterwird von Lessing eine Totenmaske abgenommen – hier, im Ausgangdes 18. Jahrhunderts, liegen die Anfänge der im Gebiet der Literatur( ähnlich aber auch im Bereich der anderen Künste) wirkenden bür-gerlichen Erinnerungskultur, auf die sich der weitaus größte Teil derMarbacher Dokumentation bezog.
Die Entstehung und Durchsetzung dieser Erinnerungskultur warFolge und Ausdruck einer dreifachen Emanzipation. Zuerst: Sie setztedie Lösung aus dem religiösen Rahmen, zum Teil auch die Übernah-me von in dem religiösen Ritual verbreiteten Formen des Erinnernsvoraus. Es finden sich Formen der Verehrung, die es vorher fast nurim religiösen Leben gegeben hatte. Manche Dichter wurden verehrtwie Heilige. Seltener zu Lebzeiten, obwohl auch das vorkommt- vorallem aber geht es um die Verehrung nach dem Tod. Die Lebens-beschreibungen lesen sich streckenweise wie Legenden, die Bilderder Toten nehmen einen wichtigen Platz ein in den Räumen und damitin der sich verfeinernden Wohnkultur, und Gegenstände aus demUmkreis von Dichtern werden zu Reliquien. In der Ausstellung wurdebeispielsweise eine marmorne Haarlocke von der durch Johann Hein-rich Dannecker gefertigten Kolossalbüste Schillers gezeigt. Sie warzwar von Dannecker selbst verschenkt worden, und er hatte dieLocken wohl schon vorher aus künstlerischen Gründen entfernt; aberdas Stück erinnert doch an die Holzspäne und Steinbrocken, diekatholische Gläubige früher oft von Heiligenfiguren an sich nahmen,nicht aus Vandalismus, sondern um auch zu Hause den unmittelbarenSchutz der Heiligen zu genießen.
Das Stichwort Säkularisation löst im Allgemeinen die Assoziationgroßer Verluste und auch Zerstörungen aus, und es ist sicher gut, wenndaran erinnert wird, wie vor allem die staatlichen Säkularisations-maßnahmen zur Vernichtung und zum Raub wertvoller Kulturgüterführten. Aber das ist nur die eine Seite. Die Säkularisation, die ja nichtnur staatlich verordnet und gelenkt wurde, führte auch zu einerAufwertung der weltlichen Kultur. ,, Diesseitige Wirklichkeiten ge-winnen religiösen Charakter, werden Ersatz- oder Quasireligionen,