2004, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Migrationen( Albaner, Griechen, Slawen), Binnenmigrationen( zwischenBerg und Ebene, Stadt und Land), Daueransiedlungen( Italien, westlicherMittelmeerraum, Habsburger- Monarchie, Südrussland) und„ Karriere- Mi-grationen“( Griechen in Italien schon vor dem Fall Konstantinopels, grie-chische und serbische Lehrer im 18. Jahrhundert) unterschieden wird, sowie,, Die Menschen und ihre Umwelt. Anpassungsstrategien an den Naturraum“( S. 103 ff.) von Ulf Brunnbauer, der den ungleichen Kampf des Menschenmit der Natur an drei verschiedenen Strategien auf der Balkanhalbinselbeschreibt: Gebirge, Ebene, Meer, und dann vor allem das Beispiel dermuslimischen Rhodopenbevölkerung exemplifiziert.
Es folgt der für die Sozialanthropologie klassische Abschnitt ,, Geschlech-terbeziehungen und Lebensphasen“ mit fünf Beiträgen:„ Verwandtschaftund Abstammung“( S. 131 ff.) von Kaser selbst, wo auf Balkanpatriarchali-tät, institutionalisierte Sozialbeziehungen, Klientelismus, Vernetzungssys-teme der Blutsverwandtschaft und der spirituellen Verwandtschaft( Taufpa-tenschaft, Blutsbrüderschaft) eingegangen wird und sich abschließend dieFrage stellt, ob zwischen den rezenten Konflikten auf dem Westbalkan undder Verwandtschaftsordnung ein Zusammenhang besteht;„, Familie undGeschlechterbeziehungen“( S. 153 ff.), ebenfalls von Kaser selbst, wo die,, zadruga" noch einmal entmystifiziert wird und einem differenzierterenBild der Familienstrukturen weichen muss. Kaser weist darauf hin, dass inOst- und Südosteuropa das Knechts- und Mägdewesen unbekannt war, dieerweiterte Familie, das frühe Heiratsalter usw. daher eine notwendige öko-nomische Überlebensstrategie darstellten, und geht dann in der Folge aufdie patriarchale Familienideologie, Patrilinearität und Patrilokalität, Se-niorat und Altershierarchie ein, vergisst aber auch die Ausnahmen undAbweichungen nicht. Speziell auf Bulgarien geht Yulian Konstantinov ein:,, Suche nach Sicherheit. Die Familie in der Transformationszeit"( S. 175 ff.), wo analysiert wird, wie nach der„, Wende" die familiäre Vernet-zung( die Hilfe vom Land für die arbeitslosen und frühpensionierten Ange-hörigen, meist erwachsene Kinder, in der Stadt) die einzig bestehende undfunktionierende soziale Institution geblieben ist( neo- erweiterte Familie).Ebenfalls auf Bulgarien zugeschnitten ist der Artikel ,, Jugend und Alter"von Kristina Popova( S. 199 ff.), die darauf hinweist, dass eine abgrenzbareJugendkultur sich eigentlich nur in den Städten herausgebildet hat. SiegfriedGruber geht dann auf die„ Zeit“ ein( S. 217 ff.), auf das Nebeneinanderbe-stehen von zyklischen, linearen und spiralförmigen Zeitmodellen, auf Hei-lige Zeiten, Heortologion und Kalendersysteme.
Im nächsten Abschnitt ,, Das Gebirge, die Stadt und das Meer" sind zweiStudien angesiedelt: Christian Giordano,„ Der Balkan und das Meer. Dassüdöstliche Europa zwischen Dorfidylle und idealisierter Urbanität“