Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
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2004, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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der eingangs angeführte Luther- Ausspruch( oder dessen volkstümliche Ver-sion, wie Nagy anmerkt) lässt doch wohl auch eine diametral entgegenge-setzte Interpretation zu, wenn man ihn auf dem Wort, Bibel' betont. Diehochinteressanten Ausführungen der Theologin Annegret Beck Religiositätgefragt? Begegnung mit dem Christentum in den neuen Bundesländernzeichnen sich gleichermaßen durch Engagiertheit und sachlich- objektivesHerangehen an die Thematik aus. Im Rahmen der Projekte für Begegnungs-räume zwischen Christentum und Nichtchristen wird die ,, Feier der Lebens-wende" ausführlich geschildert. Es wäre zu wünschen gewesen, dass die insAuge fallende prozentuale Veränderung der evangelischen Taufen ab 1989( S. 71) hinterfragt worden wäre, und zwar konkret und detailliert. Vielleichtsollte dabei auch die Haltung der Ostdeutschen bzw. vieler Zeitgenossenüberhaupt zu Institutionen nicht ausgeklammert werden?

Der Abschnitt ,, Geschichtliche Zurichtungen beginnt mit dem Beitragvon Andrea Geldmacher Der Turm, die Burg, die Sammlung. Veste Wach-senburg bei Gotha. Die Verfasserin verfolgt die Entwicklung der Wachsen-burg und des Hohenlohe- Turms als museale Stätten und Touristenattrak-tionen. Dabei werden auch interessante Nebenaspekte angesprochen( Bild-produktion). Mit der Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde in der säch-sischen Region beschäftigt sich die Rezensentin in ihrer Studie Ein frühersozialgeschichtlicher Blick auf das Volksleben. Der Nationalökonom RobertWuttke( 1859-1914) und seine ,, Sächsische Volkskunde"( bedauerlicherwei-se sind hier die Akten- Angaben in den Anmerkungen 29 und 33 weitgehendvertauscht worden). Ebenfalls der Wissenschaftsgeschichte sind die Ausfüh-rungen Erika Karaseks zu Konrad Hahm( 1892-1943). Museum zwischenAufbruch und Verhängnis gewidmet. Es wird gezeigt, wie eng die mu-seumsspezifischen Fragen und Veränderungen von den allgemeinen politi-schen, kultur- und zeithistorischen Rahmenbedingungen abhängig waren[...] und wie stark sie von den jeweils handelnden Personen[...] beeinflusstwerden konnten"( S. 121).

Im Abschnitt ,, Realien- und Bilderproduktion berichtet zunächst Mat-thias Wagner über Thüringer, Bauernmöbel im Berliner Kaufhaus A. Wert-heim 1909-1932. Es wird dokumentiert, wie bemalte Möbel( Truhen) ausder Gegend um Eisfeld im Thüringer Wald, die seit dem frühen 19. Jahrhun-dert für den Export gefertigt worden waren, erstmals ins Warensortimenteines Kaufhauses gelangten und, aus konsumorientierter Kundensicht als, Bauernmöbel typisiert werden können( S. 140). Hingewiesen wird dabeiauf den Zusammenhang zwischen der Volkskunst- Diskussion und der Ent-stehung entsprechender Museumsabteilungen sowie den Bestrebungengroßer Kaufhäuser zur Schließung einer Marktlücke. Die Volkskunst"-Ausstellung bei( Wolf) Wertheim 1909 sollte jedoch zunächst der sozialen