Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde107 (2004) / N.S. 58Beitl, Matthias: Usbekistan-Passage entlang neuer Identitäten

  
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Usbekistan-Passage entlang neuer Identitäten
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ÖZV LVIII/ 107

veranstaltungen und Medien einer breiteren Öffentlichkeit zugetragen. Die-ser Platz ist sozusagen der Marktplatz offizieller Kulturkontakte und so aucheine Ebene der Verständigung.

Im Gur Emir Mausoleum liegt Amir Timur begraben. Man gelangt an dasspirituelle Zentrum neu interpretierter usbekischer Kultur. Die gerippteKuppel zeigt sich zu verschiedenen Tageszeiten in unterschiedlichen Far-ben, den Innenraum umfassen Onyxplatten, und für die Innenseite derKuppel verwendete man bei der Renovierung überwiegend Gold. Nichtselten finden sich am Grab Timurs Menschen zum Gebet ein.

Der Basar in Samarkand ist der richtige Ort für das vierte Souvenir. Den,, Tschapon, ein nahezu bodenlanger Mantel ohne Verschlüsse auf derVorderseite, ausgeführt in samtigem Material, gibt es in Kinder- und Er-wachsenengrößen. Das, was nach der Rückkehr in die Heimat seinen Zauberverliert, wenn es nur als eine Art Morgenmantel durchgeht, ist vor Ort Teilder männlichen Kleidungskultur. Das Kleidungsstück scheint emotionalgenau zu passen, denn zwei Kinder und ein Freund werden damit beschenkt.Dieses mal steht hinter der Kaufentscheidung die Kombination aus Praxis,dem Tragen des Mantels, und Exklusivität. Beim ersten Anblick ist klar, dassdie Exotik Glossar ::: zum Glossareintrag  Exotik des Mantels aus Samarkand zu Hause einen großen Vorteil beimWettbewerb um den Besitz des Anderen verschafft. Transportiert wurde dieWare in einer Luxusausführung der globalen Reisetasche, wie sie beianderer Gelegenheit auch von einer Wiener Studentengruppe in der Westu-kraine mit materieller Kultur gefüllt wurde.

Neben dem Basar ragt die große Freitagsmoschee Bibi Xanom in denHimmel. Amir Timur wollte mit ihr die großartigste Moschee der östlichenWelt errichten. Er leitete den Bau der Moschee, die den Namen seinerLieblingsfrau trägt, selbst. Zwischendurch ließ er das Portal abreißen, daihm die Proportionen nicht gefielen. Der damalige Leiter der Finanzverwal-tung verlor dafür sein Leben.

Rund um dieses geschichts- und geschichtenträchtige Gebäude hört mandas Gerücht, dass es momentan nicht zu betreten sei, weil Filmarbeitenstattfänden. Tatsächlich haben sich die Macher des Films The Keeper",einer amerikanischen Produktion, die Kulissen der Seidenstraße für einenKostümfilm zu Nutze gemacht. Einmal auf die Filmtruppe aufmerksamgeworden, trifft man sie an verschiedenen Plätzen der Stadt und in denHügeln der Steppe. Wann und wo auch immer dieser Film zu sehen seinwird, es werden Bilder sein, die der Seidenstraße und ihren touristischenZentren in Usbekistan neuen Verkehr bringen werden.