134
Mitteilungen
ÖZV LVIII/ 107
und seine Mutter pensionierte Ärztin. Die Familie lebt in einer Kleinstadt,deren Stadtbild von einem Nebeneinander kleinbäuerlicher Strukturen undmehrstöckigen Plattenbauten geprägt ist. Diese solcherart urbanisiertenLandarbeitersiedlungen auf dem flachen Land sind auch ein Vermächtnisder sowjetischen Herrschaft. Der Gastgeber heißt Shakir. Da es nicht klarist, wie man diesen Namen schreibt, wird für die richtige Schreibweise derbekannte Popstar Shakira als Beispiel herangezogen. Damit ist ein gemein-samer Code gefunden, der allerdings die nötige Medienkenntnis voraussetzt,und dafür sorgen die Satellitenantennen auf vielen Hausdächern.
Wenn die Reisezeit lange genug bemessen ist, ist der Besuch der Seidenfa-briken in Margilan, ebenfalls im Ferganatal, obligater Bestandteil des üblichenTourismusprogramms. Typisch für usbekische Seidenstoffe ist das ver-schwommene ,, Wolkenmuster" der Kett- Ikats, das durch Färben der Kette imReservierungsverfahren ensteht. In den 1960er Jahren stieg man in der Regionauf maschinelle Produktion um. Mit dem Niedergang der Sowjetunion brachein Großteil davon zusammen. Die Firma ,, Atlas", benannt nach einer gutenStoffqualität, produzierte Ikats ursprünglich auf rund 1000 Webstühlen. Manexportierte nach Afghanistan, Indien, Malaysien und in die Türkei. Heute fehlendie Finanzen, Kontakte und das richtige Management. Ein stark reduzierterBetrieb wird noch mit 120 Webstühlen aufrecht erhalten.
In der Firma ,, Jodgorlik“ hat man sich schon auf touristische Bedürfnisseeingestellt. Die Maschinen bleiben im Hintergrund und Handwebstühle mitSchnellschusslade, mit folkloristischem Dekor versehen, geleiten denTouristen mit dem rhythmischen Schlagen der Schiffe durch die„, natürli-che" Produktion. Am Arbeitsplatz finden sich verborgene Träume von Soapund jungem Glück. Die jungen Arbeiterinnen haben an den Seiten ihrer mittraditioneller Ornamentik versehenen Webstühle Bilder der Helden ausjapanischen und chinesischen Fernsehserien angebracht.
Die gute Qualität des Stoffes liegt förmlich im Raum, und im wohlsor-tierten Shop ist man auf Touristen vorbereitet. Es ist Zeit für das ersteSouvenir, obwohl klar ist, dass das ,, Wolkenmuster“, zurück in Europa, nichtziehen wird. Aber es gibt auch Seidenschals, die dem mitteleuropäischenDurchschnittsgeschmack gut stehen. Bei dem Kauf besticht wohl der Preisdieser günstigen Erinnerung, und sie ist dazu noch tragbar. Die Seide ist fürviele Touristen ein wichtiger Teil des Reiseerlebnisses. Mit dem Stoff wirdExotik Glossar ::: zum Glossareintrag Exotik und Authentizität mit nach Hause genommen, aber auch eine positiveKauferfahrung durch günstige Preise. Die Designerin erzählt uns, dass dieFirma auch Stoffe für ausländische Kunden herstelle und erwähnt, dass sieunter anderem an die Galerie ,, Caravan“ liefere. Das ,, Caravan" ist ein gutesRestaurant in Taschkent, das gleichzeitig eine Design- und Volkskunstgale-rie betreibt.