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Bernd Stübing
ÖZV LVIII/ 107
1. Herren und Knechte: Die Beteiligten der Alpeneroberung
Die Polarität der Subjekte der Alpeneroberung als der Wir- Gruppeder Betreiber und Autoren einerseits und der abhängig beschäftigtenHelfer andererseits ist allen Unternehmungen gemein. Allerdingsweisen die Dokumentationen zum Teil beträchtliche räumliche undzeitliche Unterschiede in Bezug auf Personalaufwand, soziale Zu-sammensetzung und Gewichtung der vollbrachten Leistungen auf. Imallgemeinen berücksichtigen die Berichte der Gipfelexpeditionen inden Westalpen wesentlich stärker den Beitrag der einheimischenFührer, was mit den politisch und sozial sehr unterschiedlichen Ver-hältnissen in den Staatsgebilden der Westalpen und den habsburgi-schen Gebieten zusammenhängen mag. Ein weiterer Unterschiedbesteht in der tendenziell zentraleren, obrigkeitlichen Organisationder Alpenreisen in den habsburgischen Gebieten gegenüber einerstärker von privater Initiative geprägten Reisetätigkeit in den Westal-pen. In den Ostalpen gingen wesentliche Impulse von ErzherzogJohann von Österreich aus¹0, der selbst verschiedene Gipfel erstieg.Berge wie Ortler oder Dachstein wurden im Zuge der staatlichenLandesvermessung erschlossen, während der Großglockner unter derÄgide des Kärntner Fürstbischofs von Gurk das Ziel eines Kreisesgelehrter Persönlichkeiten unterschiedlicher Herkunft bildete, der als,, erste alpine Gemeinde in den Ostalpen“ bezeichnet worden ist.
Als Führer wurden neben Hirten vor allem Jäger und Kristall-sammler bevorzugt, deren Unterhaltsweise sie bis in hohe Lagenführte. Gämsjäger, wie die Bezeichnung als impliziter Hinweis aufdie Hochlage ihres Tätigkeitsfeldes lautet, waren als erprobte Ge-birgskenner an nahezu allen frühen Alpenexpeditionen beteiligt. Dadas publizistische Monopol auf Seiten der Bergreisenden und ihrerChronisten lag, ist nicht leicht erkennbar, wie die Alpenbewohner dieneue Praxis aufnahmen und wie sich für sie die Einbindung darindarstellte. Man ist auf die Sicherung verstreuter Spuren in oft indi-
9 Vgl. Mathieu, Jon: Geschichte der Alpen 1500-1900: Umwelt, Entwicklung,Gesellschaft. Wien, Köln, Weimar 1998, S. 11-19.
10 Vgl. Gebhard, Johann A.: Über die Besteigung der Ortlesspitze in Tyrol aufBefehl und Unterstützung Sr. Kaiserl. Hoheit des durchlauchtigsten ErzherzogJohanns in den Jahren 1804 und 1805. In: Archiv für Geographie, Historie, Staats-und Kriegskunst 61-63( 1817) S. 251–254, 64/65( 1817) S. 260-263 und 68–70( 1817) S. 279–283, hier S. 251.
11 Tursky, Franz: Der Großglockner und seine Geschichte. Wien, Leipzig 1922, S. 81.