Aufsatz in einer Zeitschrift 
Gipfelstürmer : zum Verhältnis von Betreibern und Helfern der frühen Alpeneroberung im Gefüge des seelischen Haushalts der modernen Kultur
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Bernd Stübing

ÖZV LVIII/ 107

ausreichend auf die natürlichen Bedingungen des Hochgebirges vor-bereitet. Auf der anderen Seite steht die einheimische Bevölkerungder Alpentäler, die seit Menschengedenken in und mit den Bergenlebte, sich in ihnen bewegen und sich auch von ihnen fernhaltenkonnte und die Absicht, auf deren Spitze zu gelangen, zunächst garnicht unbedingt einsichtig fand. Auf die Dienste bergerfahrener undgeländekundiger Helfer unter den Einheimischen aber waren dieBesucher der Frühphase angewiesen. Eine solche Polarisierung re-produziert zwar einesteils die Perspektive der Wir- Gruppe' der In-itiatoren, ist gleichwohl als konstitutiv für die zu behandelnde Be-ziehung zu verstehen. Ungeachtet ihrer historischen Veränderlichkeitund in gewissem Grade auch Durchlässigkeit erweist sich die solcher-maẞen vollzogene Grenzziehung als heuristisch wertvoll.

In der Epochalisierung des Alpinismus nach dem Muster seinerBinnengeschichtsschreibung wird die erste große Welle der Gipfel-eroberung im ausgehenden 18. und im frühen 19. Jahrhundert ge-meinhin als eine Art Vorläuferstadium des echten, und das heißt, dessportlichen Bergsteigens betrachtet. Die naturwissenschaftlicheZweckgebundenheit dieser Unternehmungen, daneben aber auch derMangel an bergsteigerischem Können ihrer Initiatoren erschienen alsMakel. Betrachtet man diese frühe Phase nicht aus der Perspektiveeiner Erfolgsgeschichte des automatischen Fortschritts, so lässt siesich in ein anderes Licht rücken: Hier wurde buchstäblich Neulandbetreten, eine selbst den Bewohnern der Alpen weitgehend unvertrau-te Region sollte der allgemeinen Kenntnis erschlossen werdenParadebeispiel eines Wagestücks der von unmittelbaren Zwängen undNotwendigkeiten emanzipierten Vernunft. Der Ausdruck, Er-1 Vgl. Klemun, Marianne:. mit Madame Sonne konferieren. Die Großglockner-Expeditionen 1799 und 1800. Klagenfurt 2000, S. 198–200. Zur Unterscheidungder beiden Gruppen in Gebärde und Mentalität vgl. Scharfe, Martin: Kruzifix mitBlitzableiter. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LIII/ 102, 1999,S. 289-336; ders.: Erste Skizze zu einer Geschichte der Berg- und Gipfelzeichen.In: Berg- Bilder. Gebirge in Symbolen- Perspektiven- Projektionen(= Hessi-sche Blätter für Volks- und Kulturforschung N. F. 35). Hg. v. der HessischenVereinigung für Volkskunde durch Becker, Siegfried, et al. Marburg 1999,S. 97-124.

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2 Vgl. exemplarisch: Amstädter, Rainer: Der Alpinismus. Kultur- Organisation-Politik. Wien 1996, S. 33; vgl. auch Bonington, Chris: Triumph in Fels und Eis.Die Geschichte des Alpinismus. Stuttgart 1995, S. 33; vgl. auch Keenlyside,Francis: Berge und Pioniere. Eine Geschichte des Alpinismus. Zürich 1976,S. 25, 26.