2004, Heft 1
Buchanzeigen
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kommenden Expositionen und Publikationen allzu oft im Bereich des hin-länglich Bekannten. Dass die Beschäftigung mit klassischen Feldern( undin klassischer Manier) nicht nur Banales evozieren muss, zeigt das Bayeri-sche Nationalmuseum mit seiner Ausstellung„ Die Welt im Kleinen“ unddem dazugehörigen schmalen, aber informativen und ansprechend gemach-ten Begleitbändchen.
Das Museum verfügt über eine eindrucksvolle, von der Abteilung fürVolkskunde verwaltete Sammlung historischen Spielzeugs- mit Schwer-punkten auf den unter anderen Prämissen zusammengetragenen Erzeugnis-sen der Hausindustrien und auf den großbürgerlichen Puppenhäusern. Vieleswird hier erstmals vorgestellt und gibt dank der Bearbeitung durch NinaGockerell, Kustodin für Volkskunde, nicht nur einen Einblick in die Samm-lungen des Hauses, sondern auch in die kulturhistorischen Zusammenhängevon Kindheit und Kinderspiel der Zeit vor 1900. Die Gliederung der Objektefolgt sowohl thematischen als auch sachlichen Ordnungen: Kapitel wie,, Knabe- Mädchen" stehen neben solchen wie„, Holzspielzeug“ und„ Pa-pierspiele und optische Spielsachen“. Einleitende präzise- und dennoch aufdie Lektüre durch ein breites Publikum abgestimmte- Texte zu den einzel-nen Bereichen liefern die Informationen zu den mentalitätsmäßigen undwirtschaftlichen Zusammenhängen der Realien, ihrer Herstellung und derkulturellen Praktiken ihres Gebrauchs im bürgerlichen Wertgefüge um Er-ziehung, Weltbild und Kindheit. Gerade das von den Erzeugnissen unteranderem der Oberammergauer und Berchtesgadener Heimarbeit handelndeKapitel zum Holzspielzeug vermag dabei auch Licht auf die komplexenZusammenhänge von ,, Volkskunst" und Spielzeug im Modernisierungspro-zess und die ,, produktiven" Abhängigkeiten in der Klassengesellschaft zuwerfen. Man würde sich wünschen, dass solche Fragen( die historischeSammlungen mit dem Wissen der Jetztzeit neu konfrontieren) konsequenterverfolgt würden. Allein die Anmut der Dinge lässt darüber hinaus vermuten,dass sich die Potentiale von derlei Kollektionen nicht auf die in den ver-gangenen Jahrzehnten festgelegten kulturhistorischen Standards beschrän-ken: Der Weg zu neuen Zusammenhängen wird aber wohl über eine nochintensivere Auseinandersetzung mit der materiellen und ästhetischen Prä-senz der Realien führen.
Dass sich der Band konsequent auf die museal nobilitierte Spielkulturhandwerklich- manufakturiellen Zuschnitts beschränkt, mag als Defizit er-scheinen, wenn man die Spielkultur im weiteren Kontinuum der Moderneins Auge fassen möchte. Das muss nicht immer sein, wirft aber doch dieFrage nach zeitgemäßen Sammlungsideen und-begründungen für die Ge-schichte des Spielzeugs in der jüngeren und jüngsten Vergangenheit auf:Eine jenseits der Intentionen liegende Zurückhaltung, die den positiven