Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
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2004, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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geführt. Im Kapitel, Haus und Hof" geht es um die zentrale Bedeutung desHauses, dem ,, Haushaben, und um Haushaltsformen wie geteilte Häuserund Untermiete sowie die Art und Weise des Erbgangs im dörflichen Kon-text. Hier treten ,, bürgerlich- zünftische Momente als Träger einer Begren-zungslogik", aber auch die für Stabilität sorgende Erbpraxis des Anerben-modells in den Vordergrund( S. 182). Teilungen der Häuser, die auch inAnerbengebieten zur Klärung von Eigentumsverhältnissen und Absiche-rung mehrerer Kinder meist vorübergehend stattfanden, lagen primär imInteresse derjenigen, die im Ort eine neue Existenz begannen. Sie dientenals Starthäuser von jungen Ehepaaren, Heiratswilligen, zugezogenenMännern, Frauen und Familien. Interessant ist hier die Blickrichtung aufnormative Vorgaben und mögliche Vielfalt an Praktiken innerhalb des Erb-systems und neben den Normierungen der konkreten Erbpraxis( S. 219).Besitzkontinuitäten sind nach ihrer Untersuchung von Familien-, Haus- undHofnamen und Berufssparten nicht eindeutig, eine ,, eiserne Kette zwischenFortpflanzung und Erbschaft( Goody) nur Rahmen, nicht zwangsläufig.Für das 19. Jahrhundert stellt die Autorin ,, in Hinblick auf Zugang zu undUmgang mit Besitz sowie auf Lebensperspektiven generell eine Tendenz,, in Richtung einer strikter gehandhabten Erbfolge und zunehmender Im-mobilität des Besitzens im Sinne der Ausprägung eines sogenannten land-family- bond und von allgemein geringerer Flexibilität fest ein völlig denRealteilungsgebieten konträres Ergebnis. Einher ging diese Erstarrung miteiner Einschränkung des Aktionsradius von Frauen( S. 253). Im letztenKapitel ,, Heiratssachen und Liebesgeschichten" untersucht Margareth Lan-zinger die vielfältigen Arrangements in Paar- und Familienkonstellationen.Das Zusammenwohnen verschiedener Generationen und die Heirat ergaben,, ein spezifisches Mischverhältnis von Gemeinsamem und Gesondertem,von Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten( S. 269). In beiden Fällenscheinen möglichst genaue Regelungen das Konfliktpotenzial geringer ge-halten zu haben. Es finden sich hier detaillierte Untersuchungen zur Wie-derverheiratung von Witwen und Witwern, zum Zusammenhang von Ver-wandtschafts- und Heiratsbeziehungen, zu den spezifischen Arbeitsverhält-nissen von Berg und Tal als Determinanten der Partnerwahl und zur Funktionder Nachbarschaft. In allen Fällen waren spezifische Umgangsweisen mit Geldgrundlegend Transfers, Umwidmungen, Zinspraxis und unterschiedlichePreisbildung-, deren Analyse, so Lanzinger, eine lohnende Perspektive aufdie soziale Organisation einer Gesellschaft sein würde( S. 299).

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Margareth Lanzingers umfangreiche Arbeit ist besonders mit ihrerSchilderung von persönlichen Geschichten und Einzelfalldarstellungenangenehm zu lesen. Ein umfangreiches Sachregister am Schluss ermöglichtauch einen themenzentrierten Zugang. Ihr Ansatz ist kreativ und theoretisch