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Literatur der Volkskunde
ÖZV LVIII/ 107
Sicherungsstrategien. Das Anerbenrecht stelle in der Konservierung derbestehenden sozioökonomischen Strukturen einen ,, wirkungsmächtigen lo-kalpolitischen Grundsatz“ dar( S. 21), wodurch das Anwachsen der lokalenBevölkerung wirksam abgebremst wurde und auch patrilineare Muster imVerlauf des 19. Jahrhunderts gestärkt wurden.
Ihren Untersuchungsraum Südtirol und den untersuchten Ort Innichenstellt die Autorin im Kontext der„, Geschichte der Gebirge“ vor, die diealpine Zone nicht mehr als Reliktlandschaft und geschlossenes System,sondern eingeordnet in Kommunikations- und Migrationsnetze begreift.Dabei fasst sie anhand der dichten Interpretation zweier Ortsansichten ausdem Jahre 1699 und aus dem Ende des 19. Jahrhunderts Mentalitäten- wieden immer wieder zu konstatierenden Widerstand gegen Veränderungen undals deren Folge das Beharren auf dem Bestehendengenauso wie denkonkreten Wandel der Gemeinde Innichen durch industrielle Entwicklungenund den Tourismus. Dadurch werden die( auch topographische) Konstruk-tion und die Determinanten des Blicks auf den Ort deutlich. Am Schluss desKapitels ,, Schnittpunkte" beschreibt Lanzinger die für Innichen umfang-reich vorliegenden personenbezogenen Quellen( Familienbücher, eine1893/94 erstellte Familienrekonstitution usw.), die sie statistisch mithilfeeines Datenbankprogramms, aber auch qualitativ in Form von Einzelfällenausgewertet hat. Hinzugezogen hat sie des weiteren Protokolle von Rechts-geschäften, insbesondere Heirats- und Übergabeverträge, Ehedispensansu-chen und Sitzungsprotokolle des Gemeinderats.
In den folgenden vier Kapiteln„, Die, Suppenburger“ ,,, Äcker kälbernnicht" ,,, Haus und Hof“ und„, Heiratssachen und Liebesgeschichten" entfal-tet Margareth Lanzinger ihre Untersuchungsergebnisse. Sie führt die einzel-nen Kapitel jeweils mit einer überlieferten Erzählung oder einem Sprichwortein, durch die Denken und Handeln der Bevölkerung der Region bezüglichdes folgenden Themas sinnfällig wird, um dann anhand von statistischenAuswertungen und der Beschreibung von einzelnen Familien- und Hausge-schichten Hintergründe, Mentalitäten und Handlungsspielräume zu erhel-len. So stehen im Kapitel ,, Die, Suppenburger" die Praxis des Bürgerrechtsund Ehekonsenses, die Position gegenüber Illegitimität, die lokale Endoga-mie und Exogamie sowie die konkrete Armenabsicherung im Mittelpunkt.Im Kapitel ,, Äcker kälbern nicht“, mit dem das Wissen über die Notwendig-keit eines sorgfältigen Umgangs mit dem Ackerboden zum Ausdruckkommt, beschäftigt sich die Autorin mit der Langlebigkeit der lokalenWissensordnung und der damit verbundenen Ablehnung von Neuerungen.Anhand des konkreten Managements der Gemeindeverwaltung- der Ver-gabe von Ämtern, des Prinzips der Partizipation, der Ordnungen bzw.Verbote und der Almwirtschaft- werden deren Eigenlogiken vor Augen