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ÖZV LVIII/ 107
dieser Gruppen gehört. Grenzen und Grenzgebiete zwischen Gruppen undKulturen sind oft symbolisch bestimmt.8
In Grenzgebieten- unabhängig davon, wie jemand den Begriff versteht-verschwimmen die Unterschiede und gleichzeitig werden die Ähnlichkeitendeutlicher. Die Begriffe ,, Freund“ und„, Fremder" haben hier oft eine völligandere Bedeutung als in den kulturellen Zentren.
Die Ähnlichkeit von Lebensmustern bestimmt oft eine ethnische undkulturelle Identität von zwei- oder mehrfacher Dimension, oder sogar eineheterogene nationale Identität der Einwohner. Der multikulturelle Raumeines Grenzgebietes begünstigt die Entstehung eines bestimmten Typus derKultur, dessen Muster die Vielfalt der kulturellen Einflüsse widerspiegeln.Glaubt man zahlreichen Forschern, so finden in jedem GrenzgebietBegegnungen von unterschiedlichen gesellschaftlichen Werten und Einstel-lungen statt. Die Kulturen von Grenzgebieten sind dank der intensiveninter- ethnischen Kontakte reicher, aber sie sind auch offensiver, auf Kon-frontation gerichtet, und sogar in mancher Hinsicht aggressiv. Als Objekteder Rivalität verschiedener Gruppen sind Grenzgebiete Schauplätze zahl-reicher Konflikte und ein Boden für Konfrontationen von Werten, Bestre-bungen und Interessen.
Interessant ist die Tatsache, daß diese gesellschaftliche und kulturelle,, Mobilität“ von Grenzgebieten in Wirklichkeit die gesellschaftlichen, kul-turellen, wirtschaftlichen und politischen Vorgänge widerspiegelt, die inganz Europa stattgefunden haben. Für ein Grenzgebiet typische Merkmalewerden im ganzen Kontinent sichtbar, und neue Formen der Zusammenar-beit, der gegenseitigen Abhängigkeit und gemeinsamen Teilnahme an einerAnzahl von Angelegenheiten entstehen überall. Nicht überall jedoch ist dieZusammenarbeit problemlos- und das ist nicht nur eine Erinnerung an diescheinbar unüberwindliche Trennung in Ost und West.
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Wenn man auch ohne Übertreibung sagen kann, daß verschiedene For-men der Partnerschaft in ganz Europa blühen und gedeihen und dasschließt die von der EU unterstützte grenzüberschreitende Zusammenarbeitein-, so ist dieses Gedeihen in Mittel- und Osteuropa viel langsamer undschwieriger. Diese Komplexität der Entwicklung ist sowohl durch histori-sche Gründe als auch durch die langjährige gesellschaftliche und kulturelleIsolation bedingt, die erst in den späten 1980- er Jahren durch den allgemeinals Veränderung des Systems bekannten Prozeß überwunden wurde.
In dieser Zeit brachten polnische, tschechische, slowakische und ungari-sche Dissidenten ihre Ansicht über das geschichtliche Nahverhältnis der8 Babiński, G.: Pogranicze etniczne, pogranicze religijne. Modele wychowania dlapluralizmu. ,, Przegląd Religioznawczy“ 1994, no. 3.
9 Kantor( wie Anm. 6), S. 114.