2004, Heft 1
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Grigorij Kupczanko( 1849-1902)
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baren Präferenz für die„ bäuerlich- agrarische Herkunft der Einwoh-ner, bunt, stark, vielfältig ausgestaltet, erdverbunden und traditionell-konservativ" entsprechen ganz dem„, ethnographischen Paradig-ma", das Konrad Köstlin im Hinblick auf die Umdeutung sozialerKonflikte in ethnische Auseinandersetzungen analysiert hat. Konter-kariert wird diese typische Ausrichtung von Kupczankos sprachlicherund räumlicher Nähe zu den sozialen und nihilistischen Bewegungenin Russland, deren Ideologie einer Biologisierung des Ethnischen undseiner Kulturformen entgegenstand. Die Spannung zwischen einerstrategischen Nutzung essentialistischer Argumentation im Sinne so-zial- politischer Ziele und dem idealisierten Verhältnis zur Vergan-genheit und zu einer verloren geglaubten Identität durchzieht folglichKupczankos gesamtes wissenschaftliches und journalistisches Werk.Dieses besteht aus mehreren Büchern und Broschüren über ethnogra-phische Themen und aus mehr als 2.000 Artikeln, Kommentaren,Untersuchungen und Gedichten, welche er im Rahmen seiner Tätig-keit als Redakteur und Herausgeber der russischsprachigen Zeitungenund Journale ,, Zwezda“( 1882) in London ,,, Russka Prawda"( 1888–1902) und ,, Prosweschtschenije“( 1893-1902) in Wien veröffent-lichte.
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Viele seiner Publikationen waren innerhalb der österreichisch- un-garischen Monarchie verboten, wurden jedoch unter der Hand ver-trieben und fanden zudem einen beträchtlichen Teil ihrer Leserschaftim Ausland. Verantwortlich für die Indizierung seiner Schriften unddie mehrmalige Repression von Seiten der k. k. Exekutive war Kup-czankos publizistisches Engagement in der Debatte um die Zugehö-rigkeit der ruthenischen und russischen Bevölkerungsgruppen in derBukowina ein konfliktreiches Feld zwischen Österreich- Ungarnund Russland. Diese Verwicklungen in die politischen Spannungenseiner Zeit trugen naturgemäß nicht zu einer objektiv lesbaren Bio-graphie bei, sondern sorgten vermutlich mit dafür, dass Kupczankosethnographische Werke nach seinem Tod weitgehend der Verges-senheit anheim fielen. Dass diese fachgeschichtliche Amnesie wohlweniger auf mangelnde Qualität seiner wissenschaftlichen Arbeiten,1 Köstlin, Konrad; Das ethnographische Paradigma und die Jahrhundertwenden.In: Ethnologia Europaea, Journal of European Ethnology 24( 1994), S. 5–20, hierS. 15.
2 dt.: Stern.
3 dt.: Russische Wahrheit.
4 dt.: Aufklärung.