2001, Heft 4
Mitteilungen
447
, Ums Leben bauen“ lauten. Und für diese zweite Passion kam ihm, nach-dem das Wohnhaus der Familie längst errichtet war, das Projekt Freilicht-museum aufs Wunderbarste entgegen. Nun konnte er, der gelernte Maurer,Steinmetz und Fliesenleger, Jahr für Jahr seiner Baulust frönen und Wohn-häuser, Ställe, Schupfen, Stadl und Weinkeller, Arbeitsstätten der dörflichenHandwerker, öffentliche Gebäude wie Schule, Gasthaus, Gemeinde- undPostamt, Feuerwehrdepot, Kino etc. errichten, schliefbare Kamine undKatzensteige wieder mauern, nicht mehr gängige Materialien verwenden,da längst aus der Mode oder heutigen Ansprüchen an Technik und Wohn-komfort nicht mehr genügend, kurz: sein gesamtes bauliches Wissen, fach-liches Können und Gespür ausprobieren und unter Beweis stellen. JosefHaubenwallners jüngste Tat war- einem Maulwurf gleich der Bau einerKirche auf einem angeschütteten Hügel und mit einer Krypta im Innerendesselben und das alles in acht Wochen. Die Kirche ist bereits verputzt,die Krypta mit der ständigen Schausammlung zum religiösen Leben derHeidebodenbewohner eingerichtet.
-
-
Exakte Pläne für die Baulichkeiten auf dem Versuchsgelände Museumwaren bei Herrn Haubenwallner fast nie vorhanden; ein Stück Packpapiermit darauf skizzierten Einzelheiten bildete oft die einzige Grundlage für dennächstfolgenden Bauabschnitt. Zumeist handelte es sich hierbei um Auf-zeichnungen, die beim Abbau eines Baukörpers, also mitten im Translozie-rungsvorgang, noch rasch zu Papier gebracht wurden, oder die im Zuge einesGesprächs mit einem Fachkundigen entstanden. Fallweise hielt er auchDetails fest, auf die er durch Zufall stieß. Oder er zeichnete eine spontaneIdee auf, gleichsam als Gedächtnisstütze, um weiter darüber nachzudenkenund sie bei Gelegenheit mit anderen zu diskutieren, sie dann auszuführenoder auch zu verwerfen. Meistenteils jedoch existieren seine Pläne nur imKopf, was meine Vorstellungskraft dann doch oftmals überfordert, selbstwenn er um Erklärungen bemüht ist. Da bedarf es dann manchmal schoneines Dolmetsch.
Selbstverständlich stellten sich im Laufe der Zeit auch Erfahrungsmängelein: So etwa nistete sich wegen unsachgemäßer Bodenisolierung der allesvernichtende, grünlich- gelbe Hausschwamm im Halterhaus ein und sandteseine Sporen fleißig und breitflächig aus, was schließlich neue, umfangrei-che Fundamentierungs- und Sanierungsarbeiten nach sich zog, sieht manvom kompletten Ausräumen und wieder Einrichten der befallenen Häuserab. Ein anderes Beispiel: Vor drei Jahren drangen Mengen von Flugschneein die Dachstühle jener Gebäude, die noch nicht mit einer festen Kunststoff-plane zusätzlich unterfüttert waren. Doch auch dieses Problem währte nichtlange, denn: Flugs wurde abgedeckt, die Planen gespannt und die Dächerwieder eingedeckt. Trotzdem setzte sich Herr Haubenwallner in den Folge-