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Mitteilungen
ÖZV LV/ 104
für eine Woche mit den Studierenden und zwischendurch im Jahr, allein.Das bedeutet Planungs- und Konzeptarbeit mit Familie Haubenwallner,theoretische und thematische Einführungen für die Studierenden in den, denProjektwochen vorangehenden Lehrveranstaltungen, Erprobung meinerVermittlungsarbeit vor Ort im Museum, museale Aufbereitung der behan-delten Themenbereiche für die Besucher und schlußendlich, wenn auchetwas später, die Abfassung von Bereichstexten für die Museumsgäste. Wiralle, selbstverständlich exklusive der Besucher ,,, laborierten", also mühtenuns mit dem Gelingen eines Versuchs, oder besser: mit der Herstellung einesProdukts ab, eben des Produkts ,, Dorfmuseum Mönchhof“. Daß wir dabeiauch sehr ,, laborös"- gleichzusetzen also mit ,, arbeitsam“ ,," ,,, fleißig"- und,so würde ich meinen, durchaus erfolgreich waren, machen zahlreiche Be-kundungen der Museumsgäste deutlich.
Denn mittlerweile ist die ehemals kleine Privatsammlung von JosefHaubenwallner zu einem öffentlich zugänglichen, im Vorjahr von über30.000 Personen besuchten stattlichen Freilichtmuseum geworden. Es er-möglicht einen Einblick in den dörflichen Alltag und in das bäuerlicheLeben der Bewohner des Seewinkels bzw. Heidebodens. Die zeitliche Ein-grenzung verläuft von der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert bis in diefrühen sechziger Jahre, als jener Phase der tiefgreifenden ökonomischen undsoziokulturellen Veränderungen, die schließlich die althergebrachten dörf-lichen und gesellschaftlichen Strukturen aufbrechen ließen. Bis dahin gabendie Bauern den Ton an, das alltägliche Leben war nach den bäuerlichenJahres- und Tagesrhythmen sowie nach den bäuerlichen Normen und Wer-tesystemen ausgerichtet. Auch die übrigen Dorfbewohner füllten ihren ihnenzugestandenen Platz innerhalb des sozialen Gefüges aus. Die unterschiedli-chen Alltage all dieser Menschen, ihre Möglichkeiten der Existenz-sicherung, ihre Kommunikationsformen, Beziehungen und Abhängigkeiten,ihr öffentliches und privates Leben sind der Erzählstoff des Museums; ihreWohnhäuser, ihre Arbeits- und Werkstätten, ihre Orte der Geselligkeit derErzählrahmen. Ein rund 7000 m² großes Museumsareal ist das Erzählgelän-de- in Rekurs auf meinen Vortragstitel bezeichne ich es als ,, Laboratorium 1".Auf ihm fand Josef Haubenwallner eine ideale Versuchsstätte für seineandere Leidenschaft, ist er doch nicht nur Sammler und, wie viele Menschendieses Typus, auch einer, dem eine öffentlichen Zurschaustellung seinerObjekte stets vorschwebte, sondern er ist auch einer, der für sein Lebengerne baut. Sein Wahlspruch müßte demnach ,, Ums Leben sammeln"( dasist ein Projekttitel von Konrad Köstlin aus seiner Tübinger Zeit) ebenso wie
Ideen und Wege. Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag(= Son-derschriften des Vereins für Volkskunde in Wien, Bd. 4). Wien 1999, S. 237-250.