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Ulrich Hägele
ÖZV LV/ 104
1915 Viktor von Geramb einen ,, Ausschuss zur Förderung der heimi-schen Volkstracht“ zu etablieren ,,, dessen Arbeiten freilich noch inden Anfängen stehen, immerhin(...) photographiere ich seit Jahreneine grosse Zahl steirischer Bildstöckerln, Marterln usw., über diezum Teil in nächster Zeit Flugschriften des Vereins erscheinen wer-den. In seinen späteren Publikationen über Tracht verwendeteGeramb allerdings kaum Fotografien.
Den foto- ethnographischen Ansatz in der Volkskunde trieb insbe-sondere die Volkskunstforschung voran. Ende der 20er Jahre rief dieSchweizerische Gesellschaft eine sogenannte„, Generalenquête" insLeben. Ihre Aufgabe bestand darin, eine Internationale Ausstellungfür Volkskunst in Bern 1934 vorzubereiten. 24 Außer ,, Volkskunst imengeren Sinne", gleichbedeutend mit Kunsthandwerk, listete die En-quête- Kommission achtzehn Rubriken, wie ,, Volkstracht“ ,,, Ländli-che Bauten und Zubehör“,„, Milchwirtschaft“ und„, Spiel“ auf unddruckte einen zweiundvierzigseitigen Katalog mit fast 1.600 Fragenfür rund 800 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in achtzehnKantonen und 2.975 Gemeinden. 25 Für den immensen Kraftakt stelltedie Regierung in Bern ein stattliches Budget von 530.000 Frankenbereit, wovon 12.000 in„, photographische, kinematographische,phonographische Aufnahmen" 26 flossen. Anders als die Welt- und23 Brief Viktor v. Geramb, Volkskundliche Abteilung des Steierm. LandesmuseumsJoanneum, Graz an den Generalkonservator( Wien), 8. Mai 1915. Archiv Öster-reichisches Museum für Volkskunde, Altregistratur M 5. Auch in Viktor GerambsNachlaẞ finden sich kaum fotografische Belege über die Tracht. Vgl. Eberhart,Helmut: Zwischen Realität und Romantik. Die Viktor- Geramb- Fotosammlungam Institut für Volkskunde in Graz. In: Zeitschrift für Volkskunde, Jg. 81( 1985),Bd. 1, S. 1-21, hier S. 13.
24 Die Idee zur Ausstellung stammte von Henri Focillon. Im Januar 1926 hatte erin Genf der Internationalen Kommission für Geistige Zusammenarbeit einenentsprechenden Vorschlag unterbreitet. Dieser sah außerdem die Durchführungeines ersten internationalen Kongresses für Volkskunst vor, der dann im Oktober1928 in Prag stattfand. Vgl. dazu vor allem Gorgus, Nina: Die deutsche Volks-kunde und die Volkskunst. Der Prager Kongreß 1928 und die CIAP. In: Nikitsch,Herbert, Bernhard Tschofen( Hg.): Volkskunst. Referate der ÖsterreichischenVolkskundetagung 1995 in Wien(= Buchreihe der Österreichischen Zeitschriftfür Volkskunde, hg. von Klaus Beitl, Neue Serie Bd. 14). Wien 1997, S. 55-65.25 Vorschläge der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde zur stofflichen undgeographischen Umsetzung der Internationalen Ausstellung für Volkskunst inBern 1934. o.O, o.J., S. 2 f.
26 Anonyme, undatierte Notiz, die möglicherweise von Hanns Bächtold- Stäublistammt. Archiv Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, Am 1.