Aufsatz in einer Zeitschrift 
Volkskundliche Fotografie 1914 bis 1945
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Ulrich Hägele

ÖZV LV/ 104

fotografischer Feldforschung war Paul Scheuermeier( 1888–1973).Bei seinen Feldstudien für den Sprach- und Sachaltas Italiens und derSüdschweiz( AIS) verwendete er zwischen 1919 und 1935 nebenProtokollheften auch die Fotokamera. Sein Ansatz orientierte sich ander ,, Wörter und Sachen-Forschung, die seit Beginn des 20. Jahr-hunderts innerhalb der ,, Hamburger Schule unter Federführung desRomanisten und Volkskundlers Fritz Krüger praktiziert wurde." Ne-ben sprachlichen Formen sollte ebenso ,, festgestellt werden, wie eineSache aussah, woraus sie gemacht war, wozu sie diente" 18. Scheuer-meiers Fotografien heben sich von den ansonsten meist idyllisieren-den Darstellungen ab und vermitteln einen ungeschönten Blick aufden ländlichen Alltag und seiner Verrichtungen.

Die erste, die seit Haberlandt und Hoffmann- Krayer in bedeuten-derem Umfang methodische Überlegungen in ihre Arbeit einfließenließ, war Julie Heierli( 1859-1938). Die Begründerin der Schweize-rischen Trachtenforschung hatte schon lange vor der Jahrhundertwen-de in den eidgenössischen Alpengegenden Material für ihre ethnogra-phischen Studien gesammelt. Heierli bediente sich virtuos verschie-dener Bildquellen. Vor Ort arbeitete sie mit Atelierfotografen zusam-men und bat ihre Gewährsleute um alte Fotografien, anhand derer siedie nicht mehr vorhandene ländliche Kleidung zurückverfolgte undin einen Gebrauchszusammenhang rückte. 19 Die gelernte Pädagogin

ethnographique. L'usage de la photographie en ethnologie valaisanne. In: LeMonde Alpin et Rhodanien. ,, Photographie, ethnographie, histoire". Revue ré-gionale d'ethnologie( 1995), S. 37-55, hier S. 49 f.

17 Vgl. dazu Beitl, Klaus, Isac Chiva( Hg.): Wörter und Sachen. Österreichischeund deutsche Beiträge zur Ethnographie und Dialektologie Frankreichs. Einfranzösisch- deutsch- österreichisches Projekt(= Österreichische Akademie derWissenschaften, Phil.- hist. Klasse, Sitzungsberichte, 586. Band; Mittelungen desInstituts für Gegenwartsvolkskunde, Nr. 20). Wien 1992.

18 Scheuermeier, Paul: Bauernwerk in Italien, der italienischen und rätoromani-schen Schweiz. Eine sprach- und sachkundliche Darstellung landwirtschaftlicherArbeiten und Geräte. 2 Bde. Erlenbach- Zürich 1943/1956, I, 1943, S. X. ZuScheuermeier siehe vor allem Pfrunder, Peter: Ernst Brunner. Photographien1937-1962. Zürich 1996, S. 112. Einen ethnographischen Ansatz verfolgte auchdie Wiener Volkskundlerin Eugenie Goldstern. Für die Schülerin Michael Haber-landts gehörte der Fotoapparat zum wesentlichen Instrument ihrer Feldfor-schung. Vgl. Eugenie Goldstern: Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden.Ein Beitrag zur romanischen Volkskunde. Wien 1922.

19 Brief Frau Wwe. Odenmath- Suhsi( Stans) an Julie Heierli, 24. Oktober 1914.Archiv Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, Basel. Sammlung Heierli,Mappe 16, Notizen und Korrespondenz von Ob- und Nidwalden.