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Jaro Stacul
ÖZV LV/ 104
durch die symbolische ,, Hege“ ihres Wildes ,, schützen“ können, setztvoraus, daß sie einen Wettbewerb bzw. Konflikt mit anderen Jägerndurch eine informelle Übereinkunft vermeiden: Sie stellen dem Wildnur auf dem Gebiet nach, das sie ,, besitzen“. Dabei erklären diebefragten Jäger etwa ihre Fähigkeit, ihr Gebiet ,, rein“ zu erhalten, mitder langen Zeit, die sie unter der österreichischen Herrschaft ver-bracht hatten und stellen dem die Tatsache gegenüber, daß in ,, Ita-lien“ jedermann Zugang zum Jagdgebiet hat: Niemand ,, besitzt" alsodas Jagdgebiet, und weil mehrere Jäger auf dasselbe Wild schießen,entsteht nicht selten Streit. Diese Beobachtung zeigt zwei konträreEinstellungen zur Jagd: die örtliche( oder österreichische) zielt aufÜbereinkunft, während die ,, italienische" auf Wettbewerb beruht undkeineswegs einen ,, Schutz“ der Natur intendiert.
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Es existiert im übrigen eine interessante Parallele zwischen derEinstellung zur Jagd und den Meinungen zu den gebräuchlichenErbschaftsregelungen. Im Vanoi- Tal sind infolge der in Italien ver-breiteten Realteilung die Liegenschaften weitgehend zerstückelt.Nicht wenige Bewohner bedauern diese Erbfolge und machen sie fürdie Schwierigkeit verantwortlich, eine Übereinkunft über die Nut-zung eines Grundstückes oder eines Gebäudes zu erzielen: Die Be-troffenen kämen in Streit, die Wiesen würden vom Unkraut überwu-chert und die Häuser würden baufällig und einsturzgefährdet. Das inSüdtirol gebräuchliche System der unteilbaren Erbschaft dagegenwürde solche bedauerlichen Geschehnisse verhindern eine Mei-nung, mit der zugleich ausgedrückt wird, daß ein nach italienischemRecht geteiltes Haus oder Grundstück ,, öffentlich“ und in der Folgeauch ,, schmutzig“ wird, weil zu viele Leute Zutritt dazu haben. Ingewissem Sinne ist dies dieselbe Logik, die auch das Wesen der,, örtlichen“ oder„, Tiroler“ Jagd ausmacht: betont wird der Wert despersönlichen Eigentums und die Notwendigkeit klar gezogener Gren-zen, die festlegen, was einer bestimmten Person gehört( oder ebennicht gehört).
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Indem die lokalen Jäger das„, Hegen“ eines bestimmten Gebietesder österreichischen( und damit unausgesprochen: der ,, mitteleuro-päischen“) kulturellen Tradition zuschreiben, versichern sie sich auchselbst ihrer Teilhabe an eben dieser Tradition- einer Tradition, diewieder ihren Anspruch auf die Kontrolle über das Territorium legiti-miert. Das von ihnen gezeichnete Bild ist freilich idealisiert, wirddoch Tirol als eine ,, reine" ,,, ordentliche" und ,, europäische“ Region