2001, Heft 2
Mitteilungen
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Zuletzt hat sich Beate- Cornelia Matter kritisch mit dem Atlasmaterial ausRheinland- Pfalz auseinander gesetzt. Sie verweist auf die Diskrepanz zwi-schen veröffentlichter Meinung und dem tatsächlichen Vorkommen derMuttertagsfeier in einem Ort. Um den Prozeß der Übernahme des Festesgenauer nachvollziehen zu können, setzt sie unter Heranziehung von Stati-stiken die Antworten in Relation zur Einwohnerzahl, zur Zahl der Haushalte,zum Altersaufbau, zur Konfessionsverteilung und zur Berufszugehörigkeitbeziehungsweise zur Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe des jeweiligenBelegortes. Danach läßt sich generell feststellen, daß in Kleinstgemeinden( unter 500 Einwohner) der Anteil der Negativantworten überproportionalhoch liegt, während in Gemeinden mit mehr als 500 Einwohnern die Akzep-tanz für Muttertagsfeiern zunimmt. Als weiteres Fazit hält Beate- CorneliaMatter fest: ,, Die Neigung, den Muttertag als Familienfest zu begehen,wächst mit der Zahl der Einwohner, während Schulfeiern offenbar in denKleinstgemeinden eine vergleichsweise große Rolle spielen." In Orten mithohem Anteil an landwirtschaftlicher Bevölkerung hatte sich die Notwen-digkeit eines Muttertages zur Zeit der Befragung noch kaum durchgesetzt.Bezüglich der konfessionellen Zugehörigkeit und der Bereitschaft zu Mut-tertagsfeiern in Kirche bzw. Familie kommt Beate- Cornelia Matter dankihrer Methode gegenüber Zender zu einem wesentlich differenzierterenBefund. Generell konstatiert sie, daß- im Gegensatz zu Österreich- inRheinland- Pfalz evangelische Gemeinden den Bestrebungen zur Einfüh-rung eines Muttertages positiver gegenüber standen als katholische Gemein-den, die darin eine Konkurrenz zur Marienverehrung sahen.
Unabhängig von den Muttertags- Karten im ADV versuchte der Germa-nist und Volkskundeprofessor in Freiburg i.Br. John Meier Ursprung undEinführungsverlauf des Muttertages zu verfolgen. Dazu hatte er bei Kolle-gen eine Umfrage gestartet. Sein Informant aus Österreich war ArthurHaberlandt, der Direktor des Volkskundemuseums. Von ihm erfährt er, daßder Muttertag in Österreich durch die verstorbene Mutter des Altbundesprä-sidenten, Frau Marianne Hainisch, angeregt und durch die ihr nahestehen-den Frauenorganisationen eifrig gefördert worden sei. Weiters weiß Haber-landt zu berichten, daß in den Schulen auf den Tag hingewiesen werde und
4 Matter, Beate- Cornelia: Der ,, Deutsche Muttertag“. Versuch einer Auswertungdes ADV- Materials. In: Wandel der Volkskultur in Europa. Festschrift für GünterWiegelmann zum 60. Geburtstag. Hg. v. Bringéus, Nils- Arvid u.a. Münster 1988,Bd. 1, S. 151-163.
5 Matter( wie Anm. 5), S. 158–159.
6 Matter( wie Anm. 5), S. 160-161.
7 Meier, John: Muttertag. In: Zeitschrift f. Volkskunde 46, 1936/37, S. 100–112.