Aufsatz in einer Zeitschrift 
@ftermining : wirtschaftsanthropologische Überlegungen zu ökonomischen Transformationsprozessen in einer Bergbaugemeinde in den Alpen
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2001, Heft 2

@ftermining

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trieren zu können. Außerdem lassen sie sich, ohne daß Ungleichheits-verhältnisse zwischen den Geschlechtern damit schon aufgelöst wä-ren, nicht mehr so einfach an den ,, Herd" zurückdrängen.62

Ich habe bisher einige erfolgreiche Beispiele angeführt, wie inEisenerz auf die schwierige ökonomische Situation reagiert wird. Ichwill jedoch keineswegs verhehlen, daß nicht alle Aktivitäten so er-folgreich sind, und die Beispiele der arbeitslosen Lehrerin oder derin Teilzeit arbeitenden Beschäftigten im Schaubergwerk illustrierendies. Eine weitere Kehrseite des erfolgreichen Modells verkörpert diealleinerziehende Mutter Michaela Murschetz, die nach dem frühenTod ihres Vaters von der Schule abging und seither in prekärenArbeitsverhältnissen beschäftigt ist. Hätte sie nicht einen Hausmei-sterposten, für den sie neben geringfügiger Bezahlung eine mietfreieWohnung erhält, könnte sie sich nicht über die Runden bringen, weilsie nur stundenweise Putzaufträge z.B. bei Frau Berger- erhält. Anihr wird auch ersichtlich, wie sich verschiedene Ausschluẞfaktorenpotenzieren können. Als alleinerziehende Mutter hat sie keinen Part-ner, der zum Familieneinkommen beiträgt; weil sie ihre Tochterversorgen mußte, konnte sie keinen Ganztagesjob annehmen; da sieüber keine abgeschlossene Ausbildung verfügt, bleibt sie auch anungelernten Tätigkeiten im konkreten Fall an Putztätigkeiten-hängen, bei denen ein Aufstieg praktisch unmöglich ist. Als Folgedieser Faktoren fehlen ihr sowohl das Selbstvertrauen als auch dassymbolische Kapital sozialer Netzwerke, welches sie für eine Verbes-serung ihrer Situation benötigen würde. Jenseits ihrer persönlichenBemühungen und Anstrengungen wirken also Mechanismen der Ex-klusion, denen sie wenig entgegenzusetzen hat. Die mißlungenenVersuche, sich zu etablieren, bleiben allerdings in der Regel imVerborgenen. Wer erzählt schon gerne die Geschichte eines Schei-terns; stattdessen werden neue Anläufe unternommen oder man,, wurschtelt" sich durch und gibt sich zufrieden. Wenn es stimmt, wasArjun Appadurai beobachtet, daß nämlich die Phantasie und dieImagination wichtige Werkzeuge bei der Konstruktion unseres sozia-len Lebens und unserer Identität geworden sind6³, dann kann es auchnicht verwundern, wenn dabei die weniger erfolgreichen Seiten un-serer Biografie ausgeblendet bleiben.

62 Vgl. Young( wie Anm. 30), S. 84 und S. 87.63 Vgl. Appadurai( wie Anm. 36), S. 198ff.