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Johannes Moser
ÖZV LV/ 104
rei begonnen hat, als Resultat einer Art Reminiszenz an ihren Hei-matort, wie es Marianne mir gegenüber vor einiger Zeit ausdrückte,wuchs sich zu einem veritablen Geschäft aus, das ordentlichen Ge-winn abwirft.
So wie Marianne und Jürgen ein erfolgreiches Unternehmen inEisenerz starteten, gibt es mittlerweile viele kleine Initiativen vonLeuten, die Zimmer oder Ferienwohnungen vermieten und die Markt-lücke ausfüllen, die das Fehlen eines größeren Beherbergungsbetrie-bes mit sich bringt. Aufgrund der ausgezeichneten Wander- undLanglaufmöglichkeiten sowie des sonstigen touristischen Angebotes,ist Eisenerz ein beliebtes Ziel von Besuchern, die einer Form des,, sanften Tourismus“ den Vorzug geben. Davon profitieren auch Chri-stian und Josefine Berger. Christian Berger ist gelernter Schlosser undhat am Erzberg im KFZ- Reparaturbereich gearbeitet, ehe er von derEntlassungswelle Mitte der 1980er erfaßt wurde. Schon vor diesemZeitpunkt hatte er gemeinsam mit seiner Frau, die lange Jahre für dieBäckerei ihres Vaters die Buchhaltung und den Schriftverkehr erle-digt hatte, eine Schlosserei mit Schlüsseldienst eröffnet, um sich einzweites Standbein aufzubauen. Seine Frau kam zudem auf die Ideemit einer Frühstückspension, die sie innerhalb kürzester Zeit verwirk-lichten und die mit großem Erfolg läuft. Frau Berger liefert einBeispiel dafür, wie sich die in der Industriegesellschaft konsolidiertenGenderregime wenigstens zum Teil auflösen. Zwar ist die Füh-rung einer Fremdenpension ein„ klassisches“ Betätigungsfeld vonFrauen in Tourismusregionen, während die Männer noch anderenTätigkeiten nachgehen. Aber Frau Berger betreibt die Pension nichtals Zuerwerb, sondern als eigenständiges Unternehmen. Die Putztä-tigkeiten werden an Billiglohnkräfte auf Stundenbasis vergeben, undsie weiß auch darüber hinaus Prioritäten zu setzen. Die reproduktivenTätigkeiten im Haushalt unterbleiben, wenn sie wichtigere Dinge zuerledigen hat. Sie habe es erst gar nicht ,, einreißen“ lassen, daß ihrMann sich ständig zum gedeckten Tisch setzen könne. Entwederkoche er etwas oder man gehe eben eine Kleinigkeit essen. Hier wirdauf einer kleineren Ebene zweierlei aus der Diskussion um Gender-regime deutlich: Qualifizierte Frauen- oder solche in entsprechen-den Positionen- beschäftigen minderqualifizierte- oder auf Billig-lohnjobs angewiesene- Frauen, um sich auf ihre Aufgaben konzen-61 Was für urbane oder akademische Verhältnisse selbstverständlich erscheinenmag, ist es in vielen ,, ländlichen“ oder„, peripheren" Regionen keineswegs.
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