2001, Heft 2
@ftermining
141
wichtig und zur Grundlage von sozialen und kulturellen Bewegungenund Initiativen.“ 14 Genau dies geschieht auch in Eisenerz, wo dieErfahrung einer bedrohlichen Situation etwas in Gang setzt, wasverschiedene Diskurse, Aushandlungen von Bedeutungen und spezi-fische Handlungsformen( kulturelle Praxen) hervorbringt.
Arbeit und Arbeitsgesellschaft im Wandel
Auf den ersten Blick könnte man mutmaßen, die Vorgänge in Eisenerzwürden die Bedeutung von Arbeit und von der Arbeitsgesellschaftinsgesamt in Frage stellen, nachdem eine so große Anzahl von Men-schen freigesetzt und am Arbeitsmarkt nicht mehr benötigt wurde.Viele Arbeitslose in Eisenerz bilden nicht einmal mehr jene Reserve,aus der sich die Wirtschaft irgendwann bedienen kann, sondern siesind schlicht überflüssig, wie Birgit Mahnkopf in einem anderenZusammenhang festgestellt hat." Es ist vielleicht eines jener Beispie-le, die Jeremy Rifkin vor Augen hat, wenn er argumentiert, die WareArbeitskraft werde zunehmend überflüssig, weshalb der Menschsein Verhältnis zur Gesellschaft neu definieren müsse. 18 Eine Lö-sung sieht er in der Schaffung eines dritten Sektors, der sich jenseitsder formellen Ökonomie ausbildet. 19 In eine ähnliche Richtung gehenUlrich Becks Vorschläge für eine Bürgerarbeit, die ,, ein Stückstaatlich sanktionierter Ausstieg aus dem Markt" sein soll.20 Gleich-
―
-
14 Hannerz, Ulf: Kultur in einer vernetzten Welt. Zur Revision eines ethnologischenIdentitätenBegriffes. In: Kaschuba, Wolfgang( Hg.): KulturenDiskurse.Perspektiven Europäischer Ethnologie(= zeithorizonte, Band 1). Berlin 1995,S. 64-84, hier S. 70.
15 Namentlich jene Langzeitarbeitslosen, die vor dem Übergang in die Pensionstehen und dabei mehrere Jahre in der Arbeitslosigkeit verbleiben.
16 Vgl. Mahnkopf, Birgit: Die Globalisierung der Ökonomie als soziale Pathologie.Über Probleme der politischen Regulierung von Arbeit in einer interdependentenWelt. In: Zilian, H. G., Jörg Flecker( Hg.): Pathologien und Paradoxien derArbeitswelt. Wien 1997, S. 49-83, hier S. 56ff.
17 Daß ich Arbeit im Sinne von Karl Polanyi für eine fiktive Ware halte, habe ichan anderer Stelle bereits ausgeführt. Vgl. Moser, Johannes: ,, Jeder, der will, kannarbeiten." Die kulturelle Bedeutung von Arbeit und Arbeitslosigkeit. Wien- Zü-rich 1993, S. 44.
18 Vgl. Rifkin, Jeremy: Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft. Frankfurt amMain- New York 1995, hier S. 13.
19 Vgl. Rifkin( wie Anm. 18), S. 183ff.