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Hermann Bausinger
ÖZV LV/ 104
sen relativ unabhängige Aussage. In der Umfrage kam auch das WortHeimat vor, und zwar in der offen formulierten Frage: Wo ist IhreHeimat? Nur etwa die Hälfte nannte den Wohnort oder die Wohnre-gion. Andere operierten mit der politischen Zugehörigkeit oder ver-weigerten die Antwort. Stellt man die Prozentzahlen nebeneinander,so kann man zum Ergebnis kommen, dass etwa 40% zwar offensicht-lich Heimat haben, sich nämlich alles in allem wohl fühlen in ihrerGegend, die Charakterisierung Heimat aber nicht angemessen finden.Der Heimatbegriff führt offenbar in die falsche Richtung; er muß erstgedreht man kann auch sagen: saniert oder instandbesetzt werden.
Heimat darf nicht reduziert werden auf bloße Heimatsignale. Hei-mat, richtig verstanden, hat zu tun mit Lebensqualität. Heimat ist einKürzel für Orientierungssicherheit, für konstante und verlässlicheBeziehungen und Erfahrungen. In diesem Sinne, als Identitätsinstru-ment, ist Heimat ein wichtiger Gegenpol zu den diffusen globalenTendenzen. Dabei ist es nicht nötig, Heimat quasi kartographischfestzulegen und einzugrenzen. Wo ist die Heimat? In der Wohnung.im Haus der Straße dem Viertel- der Stadt der Umgebung –dem Kreis- im Bundesland – in der weiteren Gegend, die über dieGrenze reicht in der ganzen Republik? Antwort: überall ein biss-chen und je nach Situation. Heimatbezüge und auch Heimatgefühleprofitieren von der Vielfalt des Heimatlichen.
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Heimat in diesem Sinne bietet nicht nur Pluspunkte in einem vagenWellness- Programm, sondern ist auch eine wichtige Grundlage derWirtschaft und damit der Existenz der hier lebenden Menschen. Ichbetone das, weil – sofern Kulturelles überhaupt in ökonomische Über-legungen Eingang findet- das Verhältnis von Wirtschaft und Kultur,in Sonderheit aber von Globalisierung und Heimat oft als Kompen-sationsmodell gefasst wird: auf der einen Seite die Wirtschaft, rück-standslos und rücksichtslos den unerbittlichen Gesetzen des Marktsausgeliefert- auf der anderen Seite die heimatliche Kultur als gedie-gene Wärmflasche gegen die Kälte des Ökonomischen; auf der einenSeite die globale Orientierung des modernen Managements- auf deranderen Seite die Nestwärme des Heimatlichen, der gefühlvolle Aus-gleich unvermeidlicher Versagungen. Laptop und Lederhose- so hatRoman Herzog das Zusammenspiel beider Seiten mit dem Blick aufdie bayrische Mentalität charakterisiert. Der Slogan hat Schule ge-macht; im Hessischen versuchte man es mit Äppelwoi und Laptop;für Baden- Württemberg schlug ein Fraktionsvorsitzender Bollenhut