Jahrgang 
104 (2001) / N.S. 55
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2001, Heft 1

Chronik der Volkskunde

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die- im Vergleich zu Österreich recht zahlreichen staatlichen wie privatenFoto- Institutionen in großer Konkurrenz zueinander stehen und fast aus-schließlich hochkulturelle Kunstfotografie sammeln, erforschen und aus-stellen. Im Gegensatz dazu beschäftigen sich die französischen Ethnolog/ in-nen und Kunsthistoriker/ innen sehr wohl auch mit privater Fotografie, wieKlaus Beit( Wien/ Kittsee) mit seinem, Streifzug durch die französischeFachliteratur über Familienfotos" bewies. Marta Botiková( Bratislava) stell-te drei slowakische ethnographische Fotografen und Forscher vor: PavelSochan, Karel Plicka und Maros Madacov. Ihre Studentin und Kollegin LubaHerzanová präsentierte ihre Forschung zu der Frage, was ein Familienfoto-album über die Geschichte der Familie aussagen kann. Dabei geht Dvořáko- nach der interessanten Methode vor, zuerst Behauptungen bzw. Vermu-tungen aufzustellen und diese den Erzählungen und Aussagen der Familien-mitglieder über die tatsächlichen Gegebenheiten gegenüberzustellen. Moni-ka Vrzgulová, ebenfalls Bratislava, berichtete über ,, Die Lebensweise derstädtischen Mittelschichten im Spiegel der Fotografie: die Stadt Trenčin( Westslowakei) in den 1930er und 40er Jahren. Nach dieser umfangreichenSituationsdarstellung des Forschungsstandes in der Slowakei folgte einÜbersichtsreferat von Barbara Sosič( Ljubljana) über, Familienfotografienals Quelle für ethnologische Forschung, das die bis dahin vorgestelltenThesen und Ansätze treffend zusammenfasste und ergänzte. Als einzigeHistorikerin( und Nicht- Ethnologin) referierte Suzana Lecek aus Zagrebsehr fundiert über ,, Die abwesende Realität- Familienfotografie im Zwi-schenkriegskroatien, im speziellen über Strukturen und Strategien vonFamilien eines ärmlichen kroatischen Dorfes und deren Widerhall in denFamilienfotos. Ulrich Hägele( Tübingen) brachte eine innovative und um-fassende Interpretation der Familienfotos aus dem KriegsgefangenenlagerWieselburg, welche in der Photothek des Österreichischen Museums fürVolkskunde zu finden sind. Den Abschluss der äußerst intensiven Tagungbildete der interessante und auch berührende Vortrag von Monika Lackneraus Budapest über, Familienfotografien als Kontaktmedium bei ungarn-deutschen Familien". Somit wurde ein umfassender Überblick über dieForschungen im Bereich der Familienfotografie in acht Ländern Mittel- undOsteuropas geboten, der als Ausgangspunkt für weitere Projekte dienenkönnte. Paul Hugger schlug abschließend vor, ein gesamteuropäisches Fa-milienfoto- Ausstellungsprojekt zu initiieren, das auf Einladung von KlausBeit seinen Sitz in Kittsee haben könnte.

Die Tagungsbeiträge werden vollständig und mit ergänzendem Fotoma-terial im Rahmen der ,, Kittseer Schriften zur Volkskunde" im Sommer 2001veröffentlicht.

Veronika Plöckinger