Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LV/ 104, Wien 2001, 23-37
Vom Müßig- Gänger zum Un- TäterNichtsnutz in Bühnenstücken und Bildergeschichten
Volker Klotz
Die herkömmliche Redewendung vom ,, Müßig- Gehen" be-greift dieses, wie jegliches Gehen, als regsame Fortbewegungund keineswegs als regungslose Ruhelage. Die Regulative derGesellschaft achten weit schärfer auf regelwidriges aktivesTun als auf regelwidriges passives Unterlassen. Der Beitraganalysiert jene poetischen Gattungen, die zwischenmenschli-che Handlungen entweder auf der Bühne vorführen oder inRomanen und Bildergeschichten davon erzählen und bringt indiesem Sinne literarische Beispiele subversiven Müßiggangs.
,, Nichts Tun": so haben die Veranstalter ihre aufschlußreiche Ausstel-lung betitelt. Dieser Titel ist so treffend wie vielsagend. Daß ,, NichtsTun❝ keineswegs reglose Untätigkeit meint, das bekräftigen erst rechtdie Stichwörter des Untertitels. Sie entfalten, wie jenes ,, Nichts Tun"sich äußern kann. Im: ,, Flanieren"= Umherschlendern mit ungewis-sem Ziel. Im: ,, Pausieren"= Innehalten bei einem Tun, das hernachwieder aufgenommen wird. Im:„ Blaumachen“= Aussetzen mitgewohnter Arbeit. Schließlich im„, Müßiggehen“, worauf ich michsogleich näher einlassen werde.
Es fällt auf: all diese Titelwörter sind, laut Grammatik, Tätigkeits-wörter. Selbst dort, wo jemand ,, pausiert“ oder„, blaumacht“, ersetzter aktiv die unterbrochene Tätigkeit durch eine andere. Von unbeweg-licher, nichts als passiver Ruhelage kann also keine Rede sein. Auchsonst noch nutzen die Veranstalter der Ausstellung sinnvoll denRückenwind der Grammatik. Die besagten Tätigkeitswörter kommenuns durchweg als Infinitive entgegen. Das heißt, als unbegrenztes,uneingeschränktes Tun, dem Jede und Jeder, einzeln oder zu mehre-ren, gestern oder morgen, hier oder dort nachgehen kann.
Mein Vortrag nun greift aus dem Spektrum der genannten Tätig-keiten just das„, Müßiggehen“ heraus. Warum, das ist leicht einzuse-hen. Geht es mir doch ausschließlich um jene poetischen Gattungen,