Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
357
Einzelbild herunterladen
 

läßt nicht erkennen, was von der reichen Literatur über das Thema eingearbeitetwurde. Es folgt von Luigi Tacconelli eine vergleichende Darstellung Ilmotivo della Griselda in Bocaccio e in Hans Sachs", in italienischer Sprache.Dazu wieder ein Gegenstück aus der Legendenforschung: Elisabeth Zacherllegt Untersuchungen zum Problem der Meerfahrt im Volksbuch an Hand desBrandanmotives" vor.

Man sieht, eine reiche Ernte. Eigentlich für einen vervielfältigten Refera-tenband sogar zu reich, es hätte ruhig ein Buch mit einem Register werdenkönnen.Leopold Schmidt

Lutz Röhrich, Märchen und Wirklichkeit. 3. Auflage(= Wissen-schaftliche Paperbacks/ Germanistik, o. Nr.) 320 Seiten. Wiesbaden 1975,Franz Steiner Verlag GmbH. DM 18,-.

Das seit zwanzig Jahren bewährte Buch von Röhrich hat nun erfreulicher-weise einen Neudruck erfahren. Keine Neuauflage, das wäre viel Arbeit gewesen,und kein Verlag hätte sich so leicht zur Übernahme entschlossen. Aber ein ana-statischer Neudruck, dem Röhrich ein kurzes Vorwort vorgesetzt hat, das gewis-sermaßen das Märchen im Bereich der Gegenwart zu skizzieren versucht. Wieman etwa literarisch inhaltlich oder formal mit dem Märchen umgeht, wie manes verfilmt usw. Das alles nur in Stichworten, es wäre ja bald ein eigenes Buchdaraus zu machen, mit Bildern der Märchengärten etwa, mit den politischenKarikaturen, die sich gern mancher Märchenmotive bedienen usw. Diese Themenwerden hier also nur angeschlagen, auch die neuere Forschung von soziologischerund anderer Seite, die sich gern der krampfhaften Sprache der späten Sechziger-jahre bedient. Röhrich geht S. IV darauf ein: Auch im sozialen Bereich ist dasMärchen nicht eigentlich herrschaftsstabilisierend. Es ist häufig geradezu struk-turbrechend..." usw. Die Sätze wirken schon wie eine Parodie, vor allem, wennman überlegt, wie wenig die hier angeschnittenen Fragen gesellschaftsgeschicht-licher Art mit dem Märchen bei der diffizilen Schichtung jedes einzelnen Typszu tun haben.

Es ist also erfreulich, daß das gute Buch wieder greifbar vorliegt, mit sei-nen Literaturnachweisen und seinem Register immer noch lesbar, benützbar,wichtig.Leopold Schmidt

Zorica Rajković, Tradicijski oblici nevjenčanog braka kodHrvata i Srba u svejetlu pojma poskusni brak".( Traditional formsof common- law marriage among the Croats and the Serbs in the lightof the concept of trial marriage"). Zagreb, Institut za narodnu umjetnostVolkskunst- Institut), 1975, Brosch., 115 Seiten( engl. Zusammenfassung).Über die Ehe gibt es entsprechend der fundamentalen Wichtigkeit dieserSozialinstitution der Menschheit unzählig viele und auch umfassende Werkevon Anthropologen und Kirchenrechtlern, von Völkerkundlern, Kulturhistorikernund Soziologen. Man braucht nur an Namen wie E. Westermarck( TheHistory of human Marriage. I- III, 5. A. London 1925), an J. Mogey( Familyand Marriage, London 1963) zu erinnern und kann( wie die vorliegende Arbeites ohne Schaden tut) das seltsam zwielichtig geratene Buch von W.-E.Peuckert, Weiberzeit Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberzeit, Männerzeit, Saeterehe, Hofehe, Freie Ehe. Hamburg1955, übergehen. Dennoch ist man bei der Suche nach regional- ethnischen Be-sonderungen mit Vergleichsmöglichkeiten von diesen Großpublikationen alsVolkskundler selten gut beraten. Dies insbesondere, was die Periode vor der öffentlichen"( kirchlichen, standesamtlichen) Eheschließung betrifft. Hier bleibtüber die Ansätze bei F. C. Fischer( Über die Probenächte der deutschen

4*

357