Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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Felix Karlinger( Hg.), Berichte im Auftrag der InternationalenArbeitsgemeinschaft für Forschung zum romani-schen Volksbuch. Seekirchen( Salzburg) 1974. Redaktion AngelaBirner. Vervielfältigt, 116 Seiten.

Felix Karlinger, der unermüdliche Romanist der Universität Salzburg, dersich so weitgehend der Erforschung der Volkserzählung verschrieben hat, ist inden letzten Jahren besonders für das Volksbuch tätig geworden. Das Volksbuch,der anonyme Roman seit dem Spätmittelalter, ist der Romantik sehr geläufiggewesen, und für das deutsche und das niederländische Volksbuch ist im19. Jahrhundert sehr viel getan worden. Daß es bei allen europäischen VölkernVolksbücher gegeben hat und noch gibt, das ist vielfach, auch von der Volks-erzählforschung, nicht so recht zur Kenntnis genommen worden.

Für die romanischen Völker hat Karlinger jedenfalls ältere Bemühungenauf diesem Gebiet zu erneuern verstanden, hat Mitarbeiter für die verschieden-sten romanischen Sprachen für diesen Themenbereich gewonnen, und als Fruchtdieser Bemühungen liegt nunmehr dieser Berichtband vor. Seine Beiträge wurdenals Vorträge auf der Arbeitstagung in Rom im September 1974 vorgelegt, übri-gens in den Räumen des Österreichischen Kulturinstitutes, was uns als erfreu-licher Ansatz erscheint, da dort doch im wesentlichen bisher nur Historikerund Kunsthistoriker und selbstverständlich Archäologen zu Gast waren. Abernunmehr ist also auch die literarwissenschaftlich orientierte Volkskunde dorteingezogen.

Den Reigen der Vorträge eröffnet Angela Birner mit ihren Ausführun-gen über Die schöne Magelone in der Romania", also einem der berühmtestenVolksbücher überhaupt. Es folgt Martha Ebermann mit einer gedrängtenZusammenfassung über Das Volksschrifttum in Frankreich, vom 17. bis zum19. Jahrhundert". Während die französischen Volksbücher für uns durch dieArbeiten von Rudolf Schenda doch ein Begriff sind, erscheinen Ausführungenfür die Volksbücher in Portugal doch als eine gewisse Überraschung. MariaAntonia Nicolau Espadinha hat sich des Themas angenommen und einen Überblick über die Volksbücher Portugals" gegeben, freilich in portugiesischerSprache, was den Zugang nicht erleichtert; eine knappe deutsche Inhaltsangabeist hier besonders nützlich. Adelaide Fiocchi gibt im Anschluß daran einenÜberblick über die letteratura del volgo" in Italien, in italienischer Sprache;eine deutsche Zusammenfassung ist beigegeben. Dann folgt eine gekürzteDarbietung der Miszellen zu, Robert der Teufel"" von Gabriele Trober,was nützlich ist, da gerade dieser Volksbuchstoff offenbar in den romanischenLändern immer wieder aufgenommen wurde. Als Gegenstück dazu bringt FelixKarlinger einen Auszug seines Vortrages über den Alexius- Stoff", alsoüber eine Legende, die in Volksbuchform Verbreitung gefunden hat. In unserenLändern hat vor allem der Jesuitenorden für die Verbreitung und Gestaltungdes Alexius- Stoffes gesorgt, wie sich von Volksschauspieltexten ebenso noch ab-lesen läßt wie von Bildstöcken. Dann wird ein uns wenig bekanntes Gebieterschlossen: Irmgard Lackner berichtet über Volksbuch und Volksbuchfor-schung in Rumänien". Die Romanistik nimmt hier vielleicht etwas zu wenig zurKenntnis, daß die deutschen wie die ungarischen Volksbücher im 18. und 19. Jahr-hundert für die Rumänen von beachtlicher Bedeutung gewesen sein müssen.Ein Sonderproblem behandelt Luigi Lun mit ,, Sneewittchen" und Granadina",wobei die novellistische Art des sardischen Märchens betont wird. Als Koreferatzu dem Vortrag von A. Fiocchi legt Gabriele Parragh ihre Ausführungenüber Volksbuch Trivialliteratur" vor, mit dem Ausgriff zum trivialen Filmder Gegenwart. Umgekehrt ganz auf die Historie eingestellt erscheint ClausRiessner mit Romsage und Romlegende im Wandel der Zeit". Der Auszug

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