Jedenfalls reichen die Hinweise bis in die jüngste Museumsgeschichte desLandes. Das neue Ennsmuseum in Kastenreith beispielsweise wird schon mit-besichtigt, mit berücksichtigt. Wir möchten hier auf die neue Veröffentlichungvon Franz Lipp darüber hinweisen:„ Alter Kasten- Neues Ennsmuseum.Ein Beitrag zum Kapitel Denkmalschutz Museumspflege"( Oberösterreich,1975, S. 33-40, mit 5 Abb.)Leopold Schmidt
Siegfried Neumann, Eine mecklenburgische Märchenfrau.Bertha Peters erzählt Märchen, Schwänke und Geschichten, 223 Seiten.Berlin 1974, Akademie- Verlag. DM 7,50.
Seit die Volkserzählforschung sich nicht nur mit den Volkserzählungen,sondern auch mit den Volkserzählern beschäftigt, gehört es gewissermaßen zumguten Ton dieser Spezialistengruppe, daß jeder von ihnen auch einen Band mitden genau festgehaltenen und interpretierten Geschichten„ seiner" Märchenfrauherausbringt. Das war in manchen Fällen recht bemerkenswert. Doch zeigt es.sich, daß zumal auf binnendeutschem Gebiet die Beeinflussung durch andert-halb Jahrhunderte Volksmärchenveröffentlichung so groß geworden ist, daß manletzten Endes eben nur mehr die mehr oder minder guten Nacherzählungen derGrimmschen Märchen bekommt.
Dieser Gefahr ist auch der vorliegende Band nicht entgangen. Frau Peters,geb. Kortüm in Warin, war eine vorzügliche Erzählerin, und Neumann hat alles,was sie wußte, auf Tonband festgehalten. Ihr Leben wird lebendig geschildert, ihrWirken als Lehrerin. Großmutter und Mutter waren schon Erzählerinnen. Beider eigenen Lektüre in der Jugend lag ihr Andersen weniger, die GrimmschenMärchen mußte sie lesen und wiedererzählen, und zwar offenbar in immer stei-gendem Ausmaß. Aus mündlicher Tradition lernte sie Schwänke kennen, diesie auch in ihr„, Repertoire" aufnahm. All das ist von Neumann genau festgehal-ten worden, man bekommt einen vorzüglichen Einblick in das Wesen diesergemütvollen Erzählerin. Anschließend sind 66 Erzählungen in plattdeutscherMundart wiedergegeben, mit Anmerkungen und Worterklärungen.
Dennoch erscheint es doch zweifelhaft, ob solche Aufzeichnungen, die ansich gewiß die Freude des Volkserzählforschers sein mögen, unbedingt derÖffentlichkeit in Buchform übergeben werden müssen.
Leopold Schmidt
und
Siegfried Armin Neumann( Hg.), Plattdeutsche LegendenLegendenschwänke. Volkserzählungen aus Mecklenburg. 172 Sei-ten. Buchschmuck von Erika Bock. Berlin 1973, Evangelische Verlags-anstalt. DM 5,-.
Aus dem unerschöpflich reichen Wossidlo- Archiv lassen sich nicht nurMärchen, Sagen und Schwänke, sondern auch Legenden herausheben. Derfleißige und umsichtige Erforscher der mecklenburgischen Volkserzählung Neu-mann hat hier ein hübsches Bändchen mit 103 kleinen Erzählungen zusammen-gestellt, die als Legendenmärchen, Legendenschwänke und verwandte Erzählun-gen gelten können. Man würde zunächst in einem evangelischen Land nicht soviele Legenden vermuten, aber Mecklenburg ist verhältnismäßig spät reformiertworden, und manche Geschichten sind doch ohne konfessionelle Rücksicht ge-wandert und wandern offenbar noch.
Neumann hat den plattdeutsch erzählten Geschichten ein umfangreicheskundiges Nachwort beigegeben, hat zu den einzelnen Geschichten die erforder-lichen Nachweise( Typennummern) angemerkt und eine eigene Sammlung von,, Worterklärungen" angeschlossen. Eine nützliche und mit Liebe ausgestatteteSammlung.Leopold Schmidt
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