lich gibt, nämlich die Keramik, ist nicht eindrucksvoll. Die unglasierten grauenKochtöpfe und verwandten Gefäße sind zumindest in Scherben zu tausendenerhalten, werden aber nur zögernd aufgearbeitet, die Gleichförmigkeit des Mate-riales lockt nur selten dazu. Da ist es begrüßenswert, daß nach der Arbeit vonHermann Steininger( 1964) für Österreich und von Uwe Lobbedey( 1968) für Südwest- Deutschland nunmehr eine Aufarbeitung für Bayern erfolgtist. Hermann Dannheimer von der Prähistorischen Staatssammlung in Münchenlegt das Scherbenmaterial von den Fundstätten der Südostecke der Stadtmauerin Regensburg, von der Reichsburg Cham( ,, Schwedenschanze" am Galgenberg),vom ,, Burgstall" am Hohen Bogen im ehemaligen Landkreis Kötzting, aus demGebiet der Neustadt von Deggendorf, vom„ Burgstall" bei Romatsried im ehe-maligen Landkreis Kaufbeuren und vom Geisberg bei Haugen im LandkreisMarktoberdorf vor. Eine vorzügliche schematische Übersicht über die mittelalter-liche Keramik in Bayern, die nach Jahrhunderten von 1000 bis 1500 gegliedertist, zeigt den Formenbestand und auch den Formenwandel auf, der sich beson-ders aus dem Material von Cham herauslesen läßt. Die vorzüglich klaren Zeich-nungen( Gefäßquerschnitte) stammen von Frau I. Mohr in München.
Dannheimer hat selbstverständlich bei den Funden jeweils nicht nur dieKeramik katalogisiert, sondern auch die Beifunde, also vor allem metalleneGeräte und Waffenreste, mit aufgenommen und abgebildet. Auf dem„, Burg-stall" von Romatsried im ehemaligen Landkreis Kaufbeuren, also in Bayrisch-Schwaben, haben sich auch zwei eiserne Randbeschläge von Holzspaten ge-funden( Tafel 40/ 15.16). Das leitet zu der Arbeit von Karl- Rolf Schultz-Klinken, dem Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums. Hohenheimbei Stuttgart hinüber, in der ja auch derartige Spaten bzw. Spatenrandbeschlägebehandelt sind. Schultz- Klinken hat die Bestände der Heimatmuseen von Baden-Württemberg aufgearbeitet und daraus eine knappe systematische Darstellunggeformt. Es handelt sich allerdings um die Arbeitsgeräte in der ganzen ur- undfrühgeschichtlichen Zeit sowie in den historischen Epochen, was zumindest inden Bildern so etwas wie die Darstellung eines Ablaufes ergibt, um den es sichin Wirklichkeit doch kaum gehandelt hat. Das also etwa an Hand der rand-beschlagenen Spaten: Schultz- Klinken berichtet S. 52 über die Holzspaten, dieer an sich schon für die Zeit um 6000 ante nachweisen zu können glaubt. Dieältesten gefundenen Spatenrandbeschläge stammen dann aus der römischenSiedlung im deutschen Südwesten( Abb. 80, 81), wovon zumindest der aus BadCannstatt( Abb. 80) eine Sonderform sein dürfte. Und dann kommt die Folge-rung:„ Die ersten hölzernen Spaten mit eisernen Randbeschlägen sind allerdingsbei der einheimischen Bevölkerung des südwestdeutschen Raumes etwa erst einJahrtausend später nachweisbar." Also offenbar keine Kontinuität. Die Litera-tur über das Gerät ist dem Verfasser anscheinend unbekannt, wie etwa die Be-schriftung der Spaten ab Abb. 89 zeigt, bei denen es sich nicht um rand-, son-dern um blattbeschlagene Spaten handelt. Aber die Übersicht über das in Hohen-heim vorhandene Gerätematerial ist dennoch selbstverständlich wertvoll.
Leopold Schmidt
Volker Kutschera, Spielzeug. Spiegelbild der Kulturgeschichte. 160 Seitenmit 8 Textillustrationen und 48 Farbtafeln. Salzburg 1975. Residenz Ver-lag.$ 298,-
In der Reihe„ Zeugnisse alter Volkskunst" wurde nun das sechste Werkvorgelegt, gleichfalls in bewährter Manier eingeteilt in knappen Einleitungstext,aufwendigen Farbbildteil mit ausführlicher Legende zu jeder Reproduktion, undeinem abschließenden Bildkatalog. Der Schwerpunkt liegt wiederum im dominie-rend gestalteten Abbildungsmaterial, das sich bis jetzt ausschließlich auf diereichhaltigen Bestände des Österreichischen Museums für Volkskunde, Wien,
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