Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
352
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Möbel als Gegenstände des Vorzeigens, ja des Prunkens einiges geschrieben zuhaben; die Dinge sind einfach nicht so neu, wie sie da vielleicht scheinen mögen.

Wenn ich die Textteile des Münchner Kataloges so überlege, kommt mirvor, daß eine gewisse Rückkehr zu einfacheren, aber gediegenen landschaftli-chen Darstellungen eine ausgesprochene Notwendigkeit bleibt. Der Band vonHeidi Müller ist denn auch ein wahres Labsal. Eine vorzügliche Dissertationbei Torsten Gebhard, und zwar über Nordschwaben, was in den Karten als dasGebiet ausgewiesen wird, das etwa mit Augsburg im Süden beginnt und im Nor-den bis an die Grenze der Oberpfalz reicht.

Innerhalb dieser Grenzen behandelt Heidi Müller zunächst die Organi-sation des Schreinerhandwerks in Nordschwaben mit Aufweisung aller dort vor-handenen Schreinerwerkstätten. Dann wird der ,, Möbelbestand" Nordschwabensan Hand der archivalischen Quellen vom 15. bis zum 19. Jahrhundert dargetan,woraus sich eine ganz vorzügliche Dokumentation ergibt. Erstaunlich, was hierfür die Stellbretter und Kantbretter, für die Behälter, Kasten, Fußnetkasten,Gießfaẞkasten, Aufsatz- und Glaskasten an Belegen zusammengebracht wurde.Aber auch die Truhenmöbel, also Sidel, Truhe und Schrein sind vorzüglich be-zeugt. Bei den Betten lassen sich die Baldachin- und Himmelbetten, die Lotter-betten, Karrenbetten, Kinderbetten und Wiegen herausheben. Von den Sitz-möbeln werden Bank, Schranne, Stuhl und Sessel genauer belegt. Bleibennoch die Tische: Schrägpfostentisch, Klapptisch. Nach dieser ungemein ein-drucksvollen Dokumentation folgt die Darstellung der Möbelgattungen", anHand der Bestände der landschaftlichen Museen und Sammlungen. Was dieBelege nicht aussagen können, nämlich die Formenvielfalt, das kommt hiernun zur Sprache. Aus diesen geordneten Materialien ergibt sich der Überblicküber die ,, Möbellandschaften" im Ries und im benachbarten ehemaligen Land-gericht Heidenheim/ Hahnenkamm, im Härtsfeld, im Kesseltal, im Gebiet zwi-schen Kesseltal und Donau, und schließlich im Donautal um Donauwörth.

Diesen ausführlichen Darbietungen und Folgerungen stehen die verhältnis-mäßig weniger umfangreichen Ausführungen über Wohnen und volkstümlicheWohnvorstellungen" zur Seite, Dinge also, die von der Möbelforschung durch-aus behandelt werden sollen, nur eben ohne Verallgemeinerung. Was für RichardWeiß wie für mich zentrales Anliegen war, Die Beziehung des Menschenzum Möbel", das findet sich hier schön auf die landschaftlichen Verhältnissebezogen ausgearbeitet.

Eine außergewöhnlich schöne Dissertation also, deren Veröffentlichungrichtig war. Bilder sind in beträchtlicher Anzahl beigegeben. Bei dem Preisvon DM 52, wären aber vielleicht doch auch noch einige Farbtafeln möglichgewesen. Auch wenn die Farbaufnahme und dann noch der Farbdruck dieeigentlichen Möbelfarben nie ganz richtig wiedergeben, eine gewisse Hilfe beider rein optischen Möbelbestimmung bieten Farbbilder eben doch, man sollteheute auf sie nicht mehr verzichten.Leopold Schmidt

in Bayern.

Hermann Dannhauser, Keramik des MittelaltersEin Katalog(= Kataloge der Prähistorischen Staatssammlung, Nr. 15/= Beiträge zur Volkstumsforschung Bd. XXI). 74 Seiten, 55 Tafeln, Abb.,Kallmünz 1973, Verlag Michael Laẞleben.Karl- Rolf Schultz- Klinken, Die Entwicklung der ländlichenHandarbeitsgeräte in Südwest- Deutschland. Ackerbau-geräte für Bestellung, Pflege und Ernte(= Der Museumsfreund. Aus Hei-matmuseen und Sammlungen, Baden- Württemberg, Nr. 14/15). 110 Seitenmit 162 Abbildungen, Stuttgart 1975, Württembergischer Museumsver-band e. V.

Die Beschäftigung mit der Sachkultur des Hochmittelalters ist und bleibtmühsam. Es gibt nicht viel an aussagekräftigen Zeugnissen, und was es reich-352