Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Einzelbild herunterladen
 

arbeiten von Franz Zell, von Josef M. Ritz und von Torsten Gebhardwar, findet 1975 eine stattliche Ausstellung von Möbeln aus Altbayern alleinstatt, vom Bayerischen Nationalmuseum veranstaltet, aber in den Räumen desMünchner Stadtmuseums. Die schöne Ausstellung mit ihren Punkstücken ausöffentlichem und privatem Besitz wird durch den Katalog dokumentiert,den Walter Fuger verantwortet. Sämtliche Stücke sind nicht nur genau be-schrieben, sondern auch abgebildet, freilich fast nur in schwarzweiß, jedochin sehr schönen Aufnahmen von Walter Haberland. Es handelt sich praktischnur um Wohnmöbel, ganz wenige Stücke gehören einem weiteren Bereich an,also etwa Sakristeikasten oder Schiffertruhen.

Dem Katalogteil ist ein Abhandlungsteil vorangestellt, in dem man mancheBeiträge mit großer Aufmerksamkeit lesen wird. So Haus und Möbel" vonTorsten Gebhard, der auch den weiteren Beitrag Werkstatt, Handel undAbnehmer" geschrieben hat, und somit noch einmal zu den Tölzer Kistlern"seiner Dissertation zurückverweisen kann. Das wichtige Kapitel Typologie undKonstruktion" behandelt Walter Fuger, die Technik der Möbelmalerei" da-gegen Gislind M. Ritz, die auch die Gestaltungsmerkmale in der Möbel-malerei" behandelt. Was bei Fuger stärker zum Tischlerhandwerklichen neigt,geht bei Gislind M. Ritz mehr ins Kunsthistorische, das Gebiet ist eben viel-seitig zu betrachten. Bilder auf Möbeln" hat wieder Walter Fuger behandelt,man muß es ja gerade bei den oberbayerischen Möbeln intensiv tun, die Quel-len der Möbelforschung" stellt dagegen Gertrud Benker dar, deren Beitragdurch den Hinweis auf die Bildquellen von Gislind M. Ritz ergänzt erscheint.Sie hat schließlich auch die Möbelforschung in Altbayern" forschungsgeschicht-dargestellt, mit der sie ja personell und sachlich so eng verbunden ist.

Anders als diese mitten aus der Bauernmöbelforschung erwachsenen Bei-träge lesen sich die Einführung" von Lenz Kriss- Rettenbeck und ,, Mö-bel als kultureller Wert" von Helge Gernd t. Die Einführung von Kriss- Retten-beck betont, daß Bayern kein Volkskundemuseum habe, was in der Tat merk-würdig ist und bleibt. Im weiteren versucht Kriss- Rettenbeck die Volkskunst"zu rechtfertigen, und das in fünf Thesen, die irgendwelche Einsprüche von theo-retischen Gegnern entwaffnen sollen. Kriss- Rettenbecks Art der theologisch- philo-sophischen Begründung ist sicherlich interessant, nur leider unlesbar bis zurUnverständlichkeit. Wenn man den Satz( S. 10) Unsere Ausstellung will keineam grünen Tisch entworfenen Vorstellungssysteme unter Benutzung bzw. in Miß-brauch authentischer Konkretionen aufzwingen oder vorgefaßte Hypothesen ver-markten, sondern mit aller Zurückhaltung Konkretionen als Zeugnisse präsen-tieren usw.", liest, so kommt man damit kaum zurecht. Man versucht an Handeines Lexikons mit den zweimal angeführten Konkretionen" klarzukommen,findet dort aber, daß es sich um die in vielen Gesteinen vorkommenden Zu-sammenhäufungen von sekundär gebildeten Mineralien" handle, was doch garkeinen Sinn ergibt. Vielleicht meint Kriss- Rettenbeck einfach konkrete Sach-verhalte, wie es eben Tische und Stühle, Kasten und Betten sind, aber er bringtes nicht über sich, verständlich, meinetwegen konkret- verständlich zu schreiben.Ich fürchte nicht, daß die Formulierungen die Vorstellung von monokausali-stischen Zusammenhängen aufkommen ließen"( S. 11), sondern eher, daß mansich wundern wird, wie man über diese Dinge und ihre Zusammenhänge anläẞ-lich einer so schönen Schau so verzwickt denken und schreiben kann.

Bei Helge Gerndt steht es bei weitem nicht so, aber seine Ausführungenüber, Möbel als kultureller Wert" sind doch zu wenig auf die meinetwegenalso konkrete Tatsache dieser altbayerischen Möbel gemünzt. Daß die Möbelihre Funktion haben, ist nach Weiß und mir wohl nicht mehr schwer nach-zusprechen. Ob man sich gleich in, Funktionsanalysen" deshalb stürzen muß,weiß ich nicht. Gewiß steckt in Gedanken wie, Möbel als Zeichen" oder, Möbelals Indikator" auch eine kleine Wahrheit. Aber ich kann mich erinnern, über

351