ziemlich ratlos waren, nur wenig Überzeugendes zur Klärung zu sagenwußten, ist unverkennbar. Nun, das Geschrei ist verhallt. So weit, so gut. FünfJahre nachher erfährt die Öffentlichkeit aus der Presse, daß man sich doch zugrundlegender Textänderung, zu einem geistlichen wie sprachlichen aggiorna-mento also entschlossen habe und daß man die heikle Aufgabe an Dr. P. StephanSchaller in Ettal, dem langjährigen Erforscher, Berater und Mitgestalter desKulturerbes von OAG übertragen habe. Das erfüllt mit Zuversicht.
Noch lieber erkennt man, daß der Genannte, der nicht nur ein Gerufener,sondern schlechthin der Berufene ist, seine schwierige Aufgabe damit beginnt,zunächst einmal für die allzuvielen, die zwar mitreden, aber nur wenig vomWerden solch eines Phänomens wissen, eine wesentliche Grundschicht, den fürGenerationen von Spielern entscheidenden alten( nicht ältesten!) Text von OAGkritisch vorzulegen. Schaller hatte„ Das Passionsspiel von Oberammergau1634-1950" schon zu Ettal 1950 in seinem geschichtlichen Werden vorgestellt.Er kann sich auf Handschriftenkenntnis, auf Darstellungen von J. A. Daisen-berger, A. Hartmann, auf O. Mausser's Ausgabe des Rosner- Textes( Leipzig 1934) sowie auf Forschungen von H. Moser( 1928, 1930) beziehenund sollte auch auf L. Schmidt mit seinen geistesgeschichtlichen Bezügenvon OAG im Handbuch„ Das deutsche Volksschauspiel"( Berlin 1962; S. 14, 18,19, 259, 260, 263, 267, 271, 275, 276, 308) verweisen. Schaller's kritischeAusgabe auf Grund von sieben Handschriften zwischen 1749/ 50-1761 vermagzu zeigen, wie der zu Wien 1709 geborene Karl Joseph Ignatius Rosner alsEttaler Priester( Ordensname Ferdinand) und Professor für Poesie an der dor-tigen Ritterakademie( gest. 1778) verfahren war, als erstmals eine„ Passio nova"notwendig erschien.
Ohne Rosner, der sich auf die„ Passions Tragedj" des AugsburgerMeistersingers Sebastian Wild von 1566 ebenso stützte wie auf den offen-kundig 1634 beim 1. Spiel verwendeten, aber nur in einer Handschrift von 1662( von A. Hartmann 1880 entdeckt) erhaltenen Text einschließlich mancherAnleihen von 1674( aus Johann Albl- Weilheim) wie auf Bearbeitungen seinesLehrers als„ pater comicus" Karl Baader wären alle die nachfolgenden Spiel-gestalter, die Ettaler Patres der Bühnenpraxis wie die Laien, gar nicht denkbar.Um so erfreulicher also die ungleich besser als die von Otto Mausser( 1910noch sehr abgewertete, erst 1934 veröffentlichte) lesbare und in der Textgestal-tung aus vielen Handschriften( der 1750 gespielte Text ist ja gar nicht erhalten!)sorgfältig und bis in Einzelheiten der Abweichungen von Rosner's Autographvon 1753 begründend gestaltete kritische Ausgabe. Sie ist mühevoll und gewis-senhaft in der Stille der Gelehrtenstube entstanden. Also dient sie der Barock-forschung für Literaturgeschichte, Volkskunde und Theaterwissenschaft undbildet den Anfang einer begrüßenswerten neuen Reihe. Diese„ Passio nova"wird Entscheidendes darbieten für ein der Würde des Themas entsprechendesAuswägen zwischen Traditionsverpflichtung und Neuansatz, wie es eben inOAG 1980 der Welt angeboten werden wird. Leopold KretzenbacherVolkstümliche Möbel aus Altbayern( Katalog der gleichnamigen Ausstellung).Herausgegeben vom Bayerischen Nationalmuseum. München 1975, Deut-scher Kunstverlag. 176 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen und 8 Farb-tafeln. DM 32,-.
Heidi Müller, Volkstümliche Möbel aus Nordschwaben undden angrenzenden Gebieten(= Kunstwissenschaftliche Studien Bd. XLVIII).München 1975, Deutscher Kunstverlag, 146 Seiten, 88 Abbildungen aufTafeln und 4 Karten, DM 52,—.
Die Erforschung des bäuerlichen Möbels ist wieder an eine ihrer Ur-sprungsstätten zurückgekehrt, nämlich nach München. Wo 1937 die große süd-deutsche Volkskunstausstellung stattfand, die nicht zuletzt eine Folge der Vor-
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