Maria Zell nach( 56-66) und weiß wie immer weit in die Kultur- und Geistes-geschichte auszugreifen. Die Denkmale der Volksfrömmigkeit erfaßt EmilSchneeweis( 67-77), dem mehr als anderen, eigentlich„ Berufeneren", dasBewußtmachen und zur Pflege eines wirklichen Kulturerbes solcher Sakral-denkmäler Mahnen vorab in Niederösterreich zu danken ist, da man sich nunallenthalben stärker der Verantwortung dafür bewußt geworden ist und„, was tut".,, Die Wallfahrt König Ferdinands V. von Ungarn nach Maria Zell im Jahre1833 in den Bildern von Eduard Gurk", die farbtechnisch reizvoll in den Farb-tafeln I- IV auch wiedergegeben sind, ausgewählt aus 40 Aquarellen als Er-gebnis dieser für die ,, malerischen Reisen" im Biedermeier so kennzeichnendenund zuverlässigen" Blätter von 1833/34, beschreibt Rupert Feuchtmüller( 78-90). Vier weitere Bilder dieser Serie sind als Nummern 21-24 imSchwarzweiß- Autotypienteil auf Kunstdruckpapier dem übrigen reichen Abbil-dungsschatz zu Geschichte und Nachleben der Via sacra beigefügt. Ein sorg-fältiges Register erschließt auch hier die Fülle des ansprechend Gebotenen.Leopold Kretzenbacher
P. Stephan Schaller OSB( Hrsg.): Ferdinand Rosner, Passio nova.Das Oberammergauer Passionsspiel von 1750. Historisch- kritische Aus-gabe mit Nachwort.( Reihe: Geistliche Texte des 17. und 18. Jahrhunderts.Nachdrucke, Neuausgaben, Untersuchungen. Hrsg. von Hans Pörnba-cher, Bd. 1). Verlag Herbert Lang u. Cie. AG, Bern- Frankfurt/ Main,1974. Geb., 423 Seiten.
Die recht unerfreulichen Vorgänge um das Passionsspiel von Oberammer-gau( OAG) 1970 hatten die Problematik geistlichen Spiels im säkularisiertenausgehenden 20. Jahrhundert grell beleuchtet. Zwar waren es auf der einenSeite meist weniger sachkundige als vielmehr politisch engagierte, oft nursensationslüsterne Journalisten, die( immerhin ein Vierteljahrhundert nachRassenwahn und Kriegsgreueln) bislang als Randerscheinung und historischenBallast empfundenes zum zentralen Anlagen des ex voto- Spieles( mit nichtganz sicherer Grundlage des Spielursprunges) abstempeln wollten. Die Entgeg-nung der( anscheinend auch unter sich zerstrittenen Spielerpersönlichkeiten undpolitischen Fraktionen) Spielgemeinde als„ Report OAG 70/80" war mit derDokumentationsschrift„ Völker hörten die Signale" 1) auch weder emotionsfreinoch sachentsprechend im starren Traditionalismus, bei fehlendem Geschmackauch nicht wirkungssicher 2). Daß auch kirchliche Stellen- mit Ausnahmen ³)
1) Report Oberammergau 1970/80. Völker hörten die Signale. Herausgeber:Gemeinde Oberammergau, 1970, 192 Seiten. Vgl. dazu: Der Spiegel XXV/ Nr. 35,1971,( 23. VIII., S. 61 f.).
2) Vgl. die erstaunlich ausführliche und harte Auseinandersetzung mitdem„ Report Oberammergau 1970/80" in der„ Süddeutschen Zeitung" vom27. I. 1971, S. 8 unter dem Titel:„ Mit dem alten Spiel gegen die neue Pest.In einer unchristlich- militanten, Dokumentation' rechnen die Reformgegner mitihren Kritikern ab"( Hannes Burger). Die„ Report"-Auszüge als„ Die Urab-stimmung einer Weltgemeinde" zeigen das Ausmaß der Emotionalisierung.
3) Vgl. die aktuellen Berichte und Erörterungen zum Thema OAG in derZs.„ Emuna- Horizonte. Zur Diskussion über Israel und das Judentum", Jahr-gang V/ 5, Köln 1970 mit diesen Beiträgen: W. H. Eckert, Warum so vielüber Oberammergau reden?( 217 ff.).- H. G. Zander, Frommes Theateroder die Passionsspiele von Oberammergau( S. 227 ff.).- G. R. Schroubek,Erbauliches Spiel oder Ärgernis? Oberammergau aus volkskundlicher Sicht( S. 231 ff.). H. H. Mallau, Beobachtungen eines Alttestamentlers zu denLebenden Bildern von Oberammergau( S. 235 ff.). W. Sanders, Was manauch sehen muß bei den Passionsspielen von Oberammergau( S. 246 ff.).
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