gegenüberstellen läßt"( S. 377). Ähnlich verhält es sich bei„ Stube und Gruben-haus", Abschnitt 13( S. 404-412), wo Hähnel übrigens das älteste Wortzeugnisfür Stube, die„ stuba" der Lex Alemannorum, in Entsprechung zu screona bzw.genitium anderer Leges als„ Webraum", nicht mehr als Badestube interpretiert( S. 407). In Abschnitt 8: stube ,, Sperrwerk im Triftbach" erwähnt der Verfasserim Zusammenhang mit Archen- und Klausenbau„ von Bächen ausgehende Stu-ben- Ortsnamen"( S. 390); er übersieht dabei jedoch das Faktum der eigens für,, Arme und Pilger" errichteten und unterhaltenen Wärmestuben", wie es bei-spielsweise in einer Viktringer Urkunde vom 2. November 1239( man beachtedas Tagesdatum!) für den Nordfuß des Loiblpasses in Kärnten bezeugt wird:,,... in exhibitionen ignis straminis et stupe calide transeuntibus pauperibus etperegrinis"( MDC IV/ 1, nr. 2184; fehlt ebenfalls bei Hähnel S. 160 f.). Manwird nicht übersehen, daß zahlreiche Ortsnamen in den Alpen auf derartige,, Stuben" hinweisen: Hofname Stübner am Nordabfall des Gaberl( Steiermark),Stuben im Oberinntal und am Arlberg.
Abschnitt 12 behandelt„, Stube und Blockbau". Wie mir scheint, gehörtdas zum Treffendsten, was seit langem über diese Holzbauweise und die damitverbundenen Raumstrukturen in gedrängter Überschau geschrieben worden ist.Das führt und motiviert zu neuen Fragen und Begriffssetzungen wie die vom,, Flurhaus- Raumgefüge", über die man reden wird müssen; und das erst läßt denHausforscher Joachim Hähnel erkennen. Man kann also nur wünschen, daßer nach seinem Vorgehen auch zum Abschluß und zur„ Neufassung" der weite-ren Teile dieses grundlegenden Werkes über„ Die Stube" kommt.
Vielleicht sollte man auch der Volkskundlichen Kommission des Land-schaftsverbandes Westfalen- Lippe, ihrem Vorsitzenden Prof. Dr. Günter Wiegel-mann, und dem Verlag Aschendorff in Münster für das mutige Unternehmendanken. Bücher dieser Art könnte man vergleichen mit dem skeletthaftenStändergerüst eines gewaltigen Hallenhauses, das mit diesem steht und fällt;da ist nichts von der zugkräftigen Fassade und von äußerem bloßem Blickfang,nichts was sich heute gut verkaufen läßt, aber es ist viel für die weiterewissenschaftliche Forschungsarbeit.Oskar Moser, Graz
Via Sacra. Das Wallfahrtsmuseum in Kleinmariazell. Aus-stellung und Katalog von Helene Grünn mit Beiträgen von LeopoldSchmidt, Emil Schneeweis und Rupert Feuchtmüller.( Ver-öffentlichungen des Österreichischen Museums für Volkskunde, Bd. XV).Wien 1975. Selbstverlag des Österreichischen Museums für Volkskunde.Brosch., 98 Seiten, 4 Farbtafeln, 24 Abbildungen. S 60,-.
Wege zur Magna Mater Austriae, seit Jahrhunderten von Bedefahrern so vielerVölker der alten Donaumonarchie begangen, gibt es mehrere. Manche davonwerden eigenartigerweise gerade heute im Zeitalter der Fit- mach- mit- Märschevon vielen Teilnehmern in jenem( allerdings nicht ganz neuen, aber heute andersintendierten) eigenartigen Gemisch von Bekennerfreude und sportlichem Lei-stungswillen, ja Ehrgeiz begangen. Aber die Via sacra schlechthin ist undbleibt jene aus der einstigen Kaiserstadt in der Herzmitte des Vielvölker- Reicheszur Himmelskönigin, an deren steirischem Wallfahrtsort Mariazell heute nochstärker als irgendwo die Aura der Sakralmitte des Habsburger- Imperiums spür-bar ist. An dieser Via sacra von der Donau durch gesegnetes Voralpenland indiesen nachwirkenden Kultmittelpunkt vom„ Mons Mumenalbe" und der heuti-gen Basilika liegt das Kloster Kleinmariazell, einstmals, vor dem 19. Jahr-hundert ,, Mariazell in Österreich" geheißen und von den Benediktinern betreut,in dem Helene Grünn eine Ausstellung von 256 Exponaten aufgebaut unddurch diesen Katalog sorgfältig eingeleitet und erschlossen hat. LeopoldSchmidt zeichnet die Geschichte dieser Via sacra zwischen Wien und
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