Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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Literatur der Volkskunde

Joachim Hähnel, Stube- Wort und sachgeschichtliche Bei-träge zurhistorischen Hausforschung.( Schriften der volks-kundlichen Kommission des Landschaftsverbandes Westfalen- Lippe, Bd. 21).Münster- Aschendorff, 529 Seiten.

Dieser 21. Band der gewichtigen westfälischen Schriftenreihe bietet sichdar als erster Teil einer wohl von Bruno Schier angeregten, in den Jahren1961-1963 entstandenen, ungewöhnlich breit angelegten Untersuchung desPhänomens ,, Stube". Er enthält eine Aufsammlung der gedruckten historischenQuellen zur Geschichte dieses Raumtyps im Hausbau Mitteleuropas, an diedann Überlegungen" sowie die Literatur über das Wort Stube" und seinBedeutungsfeld als zweiter Hauptabschnitt anschließen. Folgen soll noch einweiterer Teil über die Baugeschichte der Stube im Rahmen der historischenRaumgefüge mitteleuropäischer Hausformen sowie über deren kultur- und sozial-geschichtlichen Aspekt.

Es ist nun sicher nicht leicht, dem Vorliegenden allein in einer Anzeigevoll gerecht zu werden. Seine kompendiöse Anlage und der Arbeitsaufwand sindjedenfalls erstaunlich, die Durchführung korrekt, kritisch und zugleich umsichtig.Was gelegentlich auch bei uns für ein Einzelgebiet versucht und angegangenwurde, erwies sich in der historischen Hausforschung ja immer spürbarer alsunentbehrliches Desiderat. Es erscheint hier nun gleich für sämtliche jemalsdeutschen Ländergruppen sowie für etliche Nachbarräume( Polen, Tschecho-slowakei, Frankreich) als umfassende Belegsammlung aus Urkunden-, Rech-nungs- und Lehnbüchern, Regesten, Urbaren, Chroniken, Annalen und dgl. zu-sammengestellt. In ihr spiegelt sich quasi das kulturgeschichtliche Problem,, Stube" als das jener gar nicht wenigen Kulturwörtern wie z. B. ,, Hof", Kasten", Kamin, Kaue", Liehe" oder Pflug", die bis heute noch halb- oder unge-löste Worträtsel darstellen, was ihre Sachherkunft und ihren Bedeutungsursprunganbetrifft. Neben den oft recht begrenzten Hilfen und Auskünften der Glossareund Wörterbücher war die Hausforschung da immer noch auf Moriz Heyne's,, Deutsche Hausaltertümer( 1899-1901) und weniges andere verwiesen, sofernees um exakte historische Wortzeugnisse beispielsweise für das Mittelalter ging.

Angesichts des heutigen Standes der Quellenedition wäre dies also einneuer und notwendiger Ansatz zu einem Arbeitsinstrument, das sicher nicht nurdie volkstümliche Hausforschung dringend benötigt. Im Gegensatz zur tiraden-haften Langatmigkeit mancher modischer Theoretiker hält sich der Verfasseräußerst bescheiden im Hintergrund. Nicht ganz zwei Seiten genügen ihm zurProblemeinführung. Er gibt kurze, knappe Vorerläuterungen zu den einzelnenQuellengruppen und faßt seine Ergebnisse" gut und übersichtlich zusammen.Eine etwas deutlichere Untergliederung der verschiedenen Einzelabschnitte imSatzspiegel hätte dabei noch etliche Vorteile für die Übersichtlichkeit des Gan-zen eingebracht.

Den Hauptteil des Buches macht die Fülle der Text- und Literaturbelegeaus, die verhältnismäßig kompreß und in fortlaufendem Petitsatz gedruckt sindund die oft z. B. bei Städten wie Wien, Zürich, Straßburg, Köln, Hamburg, Stral-

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