und denjenigen der Auswanderer ein Unterschied besteht. Es wurden auch diezahlreichen Beziehungen zu den Vorbildern der Kunstlieder aufgezeigt unddie rhythmisch- metrischen Formen sowie die musikalischen Partituren in dieBetrachtungen mit einbezogen.
Prof. G. P. Grie sprach über die Beziehungen zwischen der Emigrationund dem friaulischen Volkslied. Er hob die Notwendigkeit hervor, zwischenAuswandererliedern( Heimwehliedern) zu unterscheiden, welche ursprünglichan die Zeit der Saisonwanderung gebunden waren und dann später in dasRepertoire der freien Gesangsvereine übergegangen sind, und solchen, die indem Augenblick entstanden sind, als die Auswanderung in den Prozeß derMassenindustrialisation einiger Gegenden Europas einmündete. Letztere Liedermüßte man zur neuen europäischen Tradition der Arbeiterlieder rechnen. Siesind keine Bauernlieder mehr und gehören einer neuen Tradition an, die dieEinheit von Melodie und Text, wie sie für das traditionelle bäuerliche kenn-zeichnend war, nicht mehr besitzt.
Prof. R. Pellegrini beschäftigte sich mit einem Brief- Corpus karni-scher Auswanderer aus der Zeit von 1727 bis 1825. Sein Anliegen war es,die Interferenz der Sprache zu untersuchen und deren soziokulturellen undsoziopolitischen Implikationen herauszuarbeiten. An Hand einiger bezeichnenderBeispiele konnte auf die Schwierigkeiten hingewiesen werden, mit welchen die-jenigen kämpfen, die von der Sprache ursprünglich nur mündlichen Gebrauchgemacht haben und durch die Auswanderung in die Lage versetzt wurden,sich nun auch der geschriebenen Sprache bedienen zu müssen. Weitere Beispieleverdeutlichten die unterschiedliche Rolle, welche die verschiedenen Sprachenim Kontakt miteinander einnehmen, und zeigten den gewöhnlichen Verlauf desAkkulturationsprozesses auf, der zur Aufgabe der Muttersprache mit ihrentraumatischen und psycholinguistischen Folgen führt.
An den Arbeiten und Diskussionen wirkten neben den Referenten auchM. Gavazzi, R. Wildhaber, M. Cortelazzo, G. Schroubek,V. Novak, A. Ceuc, A. Podlogar, M. Stanonik und M. Ter-segla v mit. Österreichische Fachkollegen waren auf der knapp vor Semester-schluß terminlich ungünstig anberaumten Tagung„ Alpes Orientales VIII" leidernicht vertreten.Gaetano Perusini- Klaus Beitl
Paul Stieber+
Am 17. September 1975 ist Paul Stieber( 31. 10. 1915-17.9.1975) ge-storben, noch vor Vollendung seines 60. Lebensjahres. Mit ihm haben wir einenWissenschaftler verloren, der für sich in Anspruch nehmen konnte, die Er-forschung volkstümlicher Keramik auf ganz neue Grundlagen gestellt zu haben.
Es fällt schwer, die Arbeit Paul Stiebers zu würdigen ohne Einblick insein so reich angelegtes Leben. Der mehrjährige Aufenthalt in Japan als Knabebrachte die Begegnung mit fernöstlicher Kultur, die Freude am Sport( zweimaldeutscher Hochschulmeister) und der Natur als begeisterter Bergsteiger undSkifahrer führte ihn in die Mannschaft der deutschen Spitzbergen- Expedition.Die tiefe Neigung zur Musik zeigte sich in einem umfassenden Wissen zurMusikgeschichte- er entdeckte vier Kompositionen Haydns- und über denBau historischer Instrumente, aber auch im eigenen Musizieren, als Cellist,der mit befreundeten Philharmonikern Konzerte gab, und als Barytonspieler,der die Spieltechnik für dieses seltene Streichinstrument entscheidend verbesserteund über hundert Kompositionen Haydns für Baryton zur Aufführung brachte.Und doch war er in erster Linie Ingenieur, ein in ganz Europa gesuchterKonstrukteur von Sondermaschinen. Die Intensität dieses Lebens forderte ihreOpfer, in Form schwerer Krankheit und personeller Schwierigkeiten in der
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