Chronik der Volkskunde
Herbstliche Volkskundetagungen 1975 in Niederösterreich und im BurgenlandDie Arbeitsgemeinschaft für Volkskunde von Niederösterreich im Nieder-österreichischen Bildungs- und Heimatwerk veranstaltete in der Zeit vom 26. bis28. September 1975 in Mistelbach ihre 15. Arbeitstagung. Die Vorträge fandenim Saal der Raiffeisen- Sparkasse am Hauptplatz statt, dazu kam die Ausstellung,, Naive Architektur in Niederösterreich", die von der Gruppe ZS 1 von Studentender Technischen Hochschule Wien unter der Leitung von Dipl.- Ing. RolandSchachel dargeboten wurde. An Vorträgen fanden zunächst am 26. Septemberder vom Referenten( ,, Bauernhausforschung und Gegenwartsvolkskunde", ver-öffentlicht in diesem Heft der ÖZV) und jener„ Bäuerliche Siedlungsformen undvolkstümliche Elemente der Kulturlandschaft" von Hofrat Dr. Kurt Conradstatt. Am Abend sprach Hofrat Prof. Dr. Viktor H. Pöttler über„, Freilicht-museen, Archive der Volkskultur". Am Samstag wurde zunächst über die Aus-stellung diskutiert, dann sprach Prof. Dr. Adalbert Klaar über„ Die Siedlungs-und Hausformen im niederösterreichischen Weinviertel". Am Sonntag frühfand zunächst der Vortrag von wiss. Rat Dr. Emil Schneeweis über„ Volksglau-ben um Haus und Hof" statt, dann sprach Frau Dr. Edith Klenk- Hörandner vomInstitut für Volkskunde über„ Zweit- und Mehrfachfunktionen von Gebäudenund Räumen im Hofverband". Die Tagung lief unter der Leitung von FrauDr. Martha Sammer, betreut von der Leitung des Bildungs- und Heimatwerkes( Reg.- Rat Prof. Hans Gruber und Sekretär Dr. Hans Haid) zur allgemeinenZufriedenheit ab.
Im Burgenland fand nun schon zum zweiten Mal die„ Güssinger Begeg-nung" statt, die vom Burgenländischen Bildungs- und Heimatwerk betreut wird.Die Herbsttagung 1975 war dem alten Volksschauspiel und dem Volkstheaterund Laienspiel gewidmet. Die Vorträge fanden in dem stimmungsvollen, schlich-ten Refektorium des barocken Franziskanerklosters von Güssing statt. Unterder Leitung von Schulrat Franz Meier und Frau Margit Pflagner entwickeltesich in einer sehr guten, diskussionsfreudigen Runde der Ablauf der Vorträgedurchaus planmäßig. Am Montag, 29. September 1975 sprach zunächst Profes-sor Karl Horak über„ Das Volksschauspiel im altösterreichischen Raum". Dannfolgte der Vortrag des Referenten über„ Oberufer und die Volksschauspiel-landschaft Burgenland". Am Nachmittag berichtete als ungarischer Gast FrauProf. Dr. Tekla Dömötör über„ Das deutsche Volksschauspiel in Ungarn”, undzwar Gegenwartsaufnahmen, mit Photos und Tonbändern. Hans Kehrer ausTemesvar sprach über„ Das Volksschauspiel im rumänischen Banat". Am Diens-tag, 30. September, folgte Dr. Erwin Streitfeld vom Germanistischen Institut derUniversität Graz mit dem Vortrag„ Karl Julius Schröer, Leben und Werk", undder Landtagsabgeordnete Prof. Franz Probst, Eisenstadt, sprach schließlich über,, Die Erneuerung des Volksschauspiels durch Rudolf Steiner". So waren die ver-schiedensten Aspekte des großen alten Problemkreises zur Geltung gebracht.Die verhältnismäßig große Zahl von fachlich versierten Tagungsteilnehmern be-wies die Bedeutung dieser erneuten„ Güssinger Begegnung".
Leopold Schmidt
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