Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
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Gegenstände selbst; andere Gegenden begnügten sich damals mit be-scheidenen Statistenrollen. Diese schnell und miteinander wetteiferndentfaltete Hochblüte der Volkskunst brachte je nach Gegenden, aberauch innerhalb einzelner Gemeinden eine beispiellose Vielfalt derFormen und Verzierungen zustande.

Diese Blüte der Volkskunst, die in einigen Gegenden schon umdie Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, in anderen um ein, zweiGenerationen später begann, läßt sich mit der veränderten wirtschaft-lichen und sozialen Lage des Bauerntums erklären. Die Bauern schalte-ten sich mehr und mehr in den nationalen Markt ein, sie verkauftenmehr und mehr landwirtschaftliche Produkte, hauptsächlich Weizen,nahmen gesteigerten Anteil an der Versorgung der Städte im Landeund noch mehr der rasch industrialisierten Städte westlich der Leitha.Die Flüsse wurden reguliert, die Ackerfläche stürmisch vergrößert. DieMarktwirtschaft ermöglichte es den Bauern, für ihre neumodischenTrachten Fabrikstoffe zu kaufen, gemalte Möbel, Ziergeschirr für diedamals allgemein gewordenen guten Stuben anzuschaffen von jenenHandwerkern, die immer ausschließlicher für die Bauern arbeiteten.Die Investitionen der Bauern brachten ihre Kleidung, ihre Häuser,ihre Wohnungen denen der städtischen Bürger nicht näher, sie mach-ten sie vielmehr erst recht bäurisch. Sie hoben die durch viele Jahr-hunderte alte bäuerliche Tradition geheiligten Brennpunkte desLebenslaufes und der menschlichen Beziehungen durch luxuriöse Fest-lichkeiten und Gegenstände hervor.

Einen Auftrieb bekam das bäuerliche Selbstbewußtsein, ja dieStandesstolz atmende Volkskunst durch die Abschaffung der Leibeigen-schaft, den Eintritt des Bauerntums ins politische Leben, die Erneue-rung der ungarischen nationalen Kultur unter Einschaltung zahlreicherbäuerlicher Elemente. Die Nationale Kultur wiederum fand ihren Wegdank des ausgebauten Schulsystems zurück in die Dörfer 15).

Dieser bäuerlichen Volkskunst, die sich bewußt von der Kleidung,der Wohnkultur, der Architektur der anderen gesellschaftlichen Schich-ten unterscheiden wollte, ging zeitlich die Volkskunst alten Stils voran,die wir von Objekten, zumeist aus dem 18. Jahrhundert und einigennoch älteren, kennen. Auf den für festliche Gelegenheiten bestimmtenrepräsentativen Gegenständen dieser Periode herrscht eine Blumen-ornamentik, die mit ihren( Stick-) Mustern von Nelken, Lilien, Granat-äpfeln, Blumenstöcken und Girlanden den sogenannten herrschaft-lichen Stickereien aus dem 16. bis 18. Jahrhundert der in den Herren-

15) Vgl. Tekla Dömötör, Folklorismus in Ungarn.( Zeitschrift fürVolkskunde, Jg. 65( 1969), S. 21--28).

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