Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
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zum Beispiel in seinem Buch von den Trachten in Niederösterreichdie Verbreitung der einzelnen Kleidungsstücke und den Wechsel derdörflichen Mode weitgehend mit der Bewegung unterschiedlichersozialer Gruppen und ihren Bestrebungen, ihrem Situationsbewußtseinerklärt 12).

Mit dieser Anschauungsweise möchte ich im folgenden in derGeschichte der ungarischen Volkskunst vom 18. bis zum 20. Jahrhun-dert drei Stilperioden unterscheiden. In Ungarn gehört die Volkskunstfast ausschließlich den Bauern, die gegen Ende des 19. Jahrhundertsimmer noch den Dreiviertel- Teil der Landesbevölkerung ausmachten.Die von der Statistik erfaßten dörflichen Ackerbauern sind nach ihrerLebensform, ihren kleinen Familienbetrieben zumindest bis zum Zwei-ten Weltkrieg Bauern geblieben, doch sind es die einander folgendenGenerationen auf recht unterschiedliche Weise gewesen. Vereinfacht,zahllose örtliche und zeitliche Abweichungen außer acht lassend,möchte ich drei Phasen, man könnte sagen drei verschiedene Typen derBauerngesellschaft unterschieden, und in der Volkskunst die unter-schiedlichen Bestrebungen dieser drei Typen aufzeigen.

Zuallererst möchte ich die mittlere Kategorie, im großen undganzen das Bauerntum des 19. Jhs., vorstellen, denn dieses fertigteoder gebrauchte jene Erzeugnisse der ungarischen Volkskunst, die imIn- und Ausland am besten bekannt sind. Da sind vor allem dieFrauentrachten mit den vielen Röcken, die Fabrikstoffe, Fabrikbänderund Goldspitzen reichlich verwendeten, die über und über besticktenSzür- Mäntel, die kurzen Pelzjacken, Ködmön genannt, die vielen bun-ten Teller, die Krüge und Kannen, das buntgewebte Leinen, die Sticke-reien und die mit lebhaften Farben ausgemalten Möbel in den gutenStuben der Bauernhäuser 13). Es ist kein Zufall, daß am ausgiebigstendiese Zeit in den Museen und in den Sammlungen vertreten ist, da jadie meisten Objekte der Volkskunst in dieser Zeit in Ungarn entstan-den. In der gegenständlichen Ausrüstung ,,, der gegenständlichen Welt"der Bauern wuchs sich neben den Gebrauchsgegenständen des Alltagsdie ,, Repräsentationssphäre" 14) in bis dahin nie gekannten Ausmaßenaus; dazu gehören die für festliche Gelegenheiten bestimmten Klei-dungsstücke und viele Ziergegenstände. In einigen in der Volkskunstführenden Gegenden konnte man sich nicht genugtun in der Häufungder Verzierungen an den Gegenständen, und in der Vermehrung der12) Leopold Schmidt, Volkstracht in Niederösterreich.( Linz) 1969.S. 44-52.

Klára

13) Edit Fél, Tamás Hofer, Klára K. Csilléry, UngarischeBauernkunst. 2. Aufl. Budapest 1969, S. 49–51. Edit Fél Ungarische Volks-stickerei. Budapest 1961, S. 26-27. Mária Kresz( wie Anm. 9).K. Csilléry, Ungarische Bauernmöbel. Budapest 1972, S. 37–43.14) Sigurd Erixon( wie Anm. 1).

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