Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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Gegenwartssituation der Erzähltradition, der Erzähler wie der Anlässe und auchder historischen Schichten seit der vorwiegend religiös intendierten, gedrucktenParabel- und Exempelliteratur in glagolitischen(= altkroatisch geschriebenenund gedruckten) Erbauungsbüchern und Predigtsammlungen, die vom mittleren15. Jahrhundert an Märchenhaftes, Legendenartiges und Schwanknahes enthal-ten, indes die eigentliche Märchensammlung" auch bei den Kroaten im19. Jahrhundert nach den Brüdern Grimm und dem( Kroatisches ohne klareScheidung mit aufnehmenden) serbischen Gelehrten Vuk Stefanović Karad-žić aufkam. Wenn auch auf die zur Zeit der Zugehörigkeit Kroatiens zurÖsterreichisch- Ungarischen Monarchie vielen in deutscher Sprache erschienenenSammlungen kroatischer Märchen hingewiesen wird, unter anderem auf MilenaPreindlsberger- Mrazović, Bosnische Volksmärchen. Innsbruck 1905,so wäre vielleicht ein kritischer, zum Teil warnender Blick auf Ivana Ber-litsch( recte I. Brlić- Mažuranić, geb. 1874 in Ogulin) Aus Urväter-zeiten. Märchen aus kroatischer Urzeit", Salzburg o. J.( um 1935) angebrachtgewesen, da dieses( auch in andere Sprachen übersetzte) Buch vielen des Kroati-schen nicht Kundigen den ersten Einstieg ermöglicht, aber auch frühe Fehl-weisungen verursacht hatte. Solche sind im vorliegenden neuesten Bande aus-geschlossen. Zum Quellenhinweis S. 289 auf Weichard Freiherr von Valva-sor, Die Ehre des Herzogtums Krain, Laibach- Nürnberg 1689: man kann esheute besser als nach der 2. Ausgabe zu Rudolfswerth 1877-79 zitieren nachdem von Branko Reisp eingeleiteten Neudruck in vier Foliobänden zu Mün-chen, Verlag R. Trofenik, 1971-1973.- Die Kroatischen Märchen" sindsorgfältig ausgewählt, wissenschaftlich reich kommentiert, ansprechend in jederHinsicht, auch in ihrer sprachlichen Gestaltung.

Leopold Kretzenbacher

Aino Ränk, Ethnology 1945-1975(= Folia Bibliographica. A Biblio-graphy of Works Published by Estonian Scholars in Exile, 5) Stockholm1975, Institutum Litterarum Estonicum( S- 103 84 Box 7238). Vervielfältigt,58 Seiten.

Neben der großen Internationalen Volkskundlichen Bibliographie erschei-nen zur Zeit nicht wenige nationale Volkskunde- Bibliographien. Sie erfüllen ver-schiedene Aufgaben und verbessern zweifellos unsere Kenntnisse der Fach-literatur.

Es gibt Sonderfälle: Das Ende des zweiten Weltkrieges hat Wanderungenvon Gelehrten mit sich gebracht, die sich mit der so stark in den Vordergrundgerückten Exilliteratur" während jenes Krieges durchaus messen können. Einbesonders markanter Fall war das Ausweichen von Gelehrten aus den balti-schen Ostseestaaten nach Schweden. Unter ihnen waren nicht wenige bedeutendeVertreter der Volkskunde, die infolge der großen und tätigen Kollegialität derschwedischen Fachleute auf ihrem Sachgebiet weiterarbeiten konnten. Was sie inden vergangenen dreißig Jahren veröffentlicht haben, weist jetzt die vorlie-gende Bibliographie aus. Sie ist überaus reichhaltig, und die Veröffentlichungenin Zeitungen sind dabei gar nicht aufgenommen.

Die Veröffentlichungen sind alphabetisch nach den Autoren angeordnet,und wir wissen, daß sich so mancher davon, etwa Erik Laid oder Oskar Loorits,nicht mehr unter den Lebenden befindet. Der bedeutendste Publizist ist wohlGustav Ränk, von dem hier nicht weniger als einhundertvierzig Arbeiten ausge-wiesen sind. Aber auch Felix Oinas und Ivar Paulson, Ilmar Talve nicht minder,sind mit langen Werklisten vertreten. Es ist sehr erfreulich, daß nunmehr dieseBibliographie vorliegt und ein stilles, aber dennoch eindrucksvolles Zeugnis dafürablegt, was diese Forscher unter ihren schwierigen Lebensbedingungen leistenkonnten.Leopold Schmidt

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