Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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bürgischen, bei denen es sich wohl um Zigeuner- Überlieferungen Glossar ::: zum Glossareintrag  Überlieferungen handelt. Beck-man hat sich große Mühe mit einer sachgemäßen Interpretation gemacht, jederAbschnitt endet mit einem eigenen Kommentar, der die weitverstreute Literaturzu verarbeiten sucht. Es geht ihm schließlich um den Nachweis, daß sich dieSage aus einer klerikalen Tendenznovelle" entwickelt habe, wie dies im Hoch-mittelalter nicht selten der Fall gewesen sein mag. Im ganzen eine sehr bemer-kenswerte Monographie.Leopold Schmidt

Marcus Seeberger, Menschen und Masken im Lötschental.Photos von Oswald Ruppen. Brig 1974, Rotten Verlag. Groß- Quart,104 Seiten, mit zum Teil farbigen Abbildungen.

Die ,, Roich- Tschäggätä"( Rauh- Gescheckten) des Lötschentales sind dervolkskundlichen Maskenforschung seit 1907, nämlich seit Leopold Rüti-meyer, der schweizerische Urethnograph" seinen Aufsatz Über Maskenund Maskengebräuche im Lötschental" im Globus( 91, 1907, S. 201 ff., 213 ff.)veröffentlichte, ein Begriff. Diese übermäßig großen, rohen, bunt bemaltenHolzmasken sind nach Rütimeyer, Hedwig und Karl Anneler und nach KarlMeuli schnell berühmt geworden, von historischer, psychoanalytischer undvolkskundlicher Seite häufig behandelt, auch in Museumsstücken und Abbildun-gen wohlbekannt geblieben.

Ein neues Buch darüber muß im Fluß der Kenntnisnahme wie der For-schung stehen. Das ungemein schön gearbeitete Buch, mit den Photos vonOswald Ruppen, die dem Stil der Magnum"-Photographen entsprechen, istschon um dieser Gegenwarts- Impressionen wegen dankbar zu begrüßen. Dieeinst gefürchteten Maskenläufer scheinen freilich recht zahm geworden zu sein,sie bewerfen nicht einmal die Zuschauer mit Ruß, und wenn sie eine Tochter"endlich in den Schnee zerren, dann vielleicht doch schon dem Photographenzuliebe. Die gerade diesen schiachen" Masken einstmals eigentümliche Wild-heit ist offenbar nur mehr Fassade.

Mit diesen Fragen befaßt sich der Text dieses Buches, von dem Fördererdes Talmuseums in Kippel Marcus Seeberger stammend, nur sehr spät und ver-hältnismäßig kurz. Seeberger schreibt im längeren Teil seines Textes über dieUrgeschichte und Geschichte des Hochtales, das erst durch den Bau der Bern-Lötschberg- Simplonbahn weiterhin bekannt wurde. Es ist ein ruhiger, inhalts-reicher, im wesentlichen historisch eingestellter Text, der mit den dauernddazwischen eingeschalteten Maskenbildern nichts zu tun hat. Erst ab S. 85( bis101, aber wieder durch Abbildungen unterbrochen) beschäftigt sich Seebergermit den Masken.

Er referiert ihre Forschungsgeschichte, zeigt auf, was von Schnitzernund Maskenträgern noch bekannt ist, und beschäftigt sich ausführlich mitder Deutung der Masken", wie sie nun von den verschiedensten Seiten herschon mehr als ein halbes Jahrhundert versucht wird. Den älteren, teils ur-geschichtlichen, teils sagenkundlichen Deutungen, die das Alter dieser Maskenmöglichst weit hinaufrücken wollten, stehen die neueren Meinungen gegen-über, die sie für nicht viel mehr als hundert Jahre alt halten wollen. AberSeeberger weist immerhin darauf hin, daß schon 1827 das Maskieren ver-boten und mit Strafe bedroht worden sei, was jedenfalls auf ein Vorhandenseinvor diesem Termin schließen lasse. Wichtig ist, daß Seeberger nicht nur überdie Arbeiten von Theo Gantner und von Arnold Niederer referiert, die für eingeringes Alter der Masken plädieren, sondern auch über gegenwärtig laufendeDiplom- und Doktorarbeiten in Freiburg in der Schweiz, in Neuenburg undin Lyon, die mehrheitlich Gantners These von den hundert Jahren des Löt-schentaler Maskenlaufens strukturalistisch zu untermauern suchen"( S. 95). Diein solchen Arbeiten erbrachten Hinweise auf Schnitzer und Maler, die durch

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