Sündenfallberichtes, wovon Lutz Röhrich in seinem Band„ Adam und Eva"schon aufschlußreiche Belege gebracht hat. Ein großer Teil dieses Kapitels ent-zieht sich wohl der volkskundlichen Beurteilung, hier haben Religionsgeschichteund Ethnologie das Wort. Aber für die Beurteilung der Legenden und derSchwänke, Märchen und Sagen über dieses Thema aus der mündlichen Über-lieferung ist das Kapitel selbstverständlich wichtig. Unserer Beurteilung entzogenerscheint mir auch der Schlußabschnitt„ Glaubenswirklichkeit und Sozialfunktiondes Erzähltyps AaTh 1416". Aber da es doch auch hier darum geht, die Her-kunft der Ehepaar- Redaktion des Typs von einer protestantisch bestimmtenLehr- Erzählung des 17. Jahrhunderts festzustellen, wird man auch diesenSchlußabschnitt aufmerksam zur Kenntnis nehmen müssen.
Wenn Paul Schwarz mehrfach darauf hinweist, daß es sich weitgehend umprotestantische Tradition handle, so soll hier schließlich nicht ein Blick auf diebeigegebene Karte unterbleiben: Sie zeigt Österreich und offenbar auch Alt-bayern völlig frei von Bezeugungen dieses Schwankes. Das könnte wohl einHinweis darauf sein, daß katholische Landschaften ihn tatsächlich nicht aufge-nommen haben. Aber alle solche Beleglisten und ihre kartenmäßigen Auswer-tungen haben selbstverständlich immer nur vorläufigen Charakter, es können imnachhinein wohl noch Fassungen in bisher zeugnisfreien Landschaften auftreten,und den einstweilen einleuchtenden Beweis einigermaßen erschüttern. Das kannsich ja in Zukunft noch zeigen. Einstweilen wird man mit einer Monographiewie dieser sehr zufrieden sein.Leopold Schmidt
Wolfgang Brückner, Elfenreigen, Hochzeitstraum. Die Öldruck-fabrikation 1880-1940. Mit einem Beitrag von Willi Stubenvoll.(= dumont kunst- taschenbücher 22) 168 Seiten, mit 26 Farbtafeln und76 Schwarzweiß- Abbildungen. Köln 1974, Verlag M. DuMont Schauberg.Da sich die wohl eigentlich zuständige Disziplin, die Kunstwissenschaft, umdie populäre Kunst, um das, was im 19. und 20. Jahrhundert in Zimmern, Stu-ben, Küchen hing und hängt, nicht angenommen hat, geht der Aufarbeitungs-prozeß dieser zwischenschichtlichen Kunst durch Vertreter der Volkskundeweiter. Wolfgang Brückner hat sich schon des Wandschmuckes angenommen, hatdie Erzeugnisse der Firma May dargestellt, und ist nunmehr zu den„ Öldrucken"übergegangen. Sie waren zu Anfang unseres Jahrhunderts der große Schreckender Jugendbewegung und der Abscheu der mit ihr verbundenen Sammlung undForschung. Die ganze Hinterglasforschung ist nicht zuletzt aus der Ablehnungder Öldrucke zustandegekommen und ihrer inneren Intention nach zu verstehen.Nunmehr, wie gesagt, scheint die Zeit für eine mehr oder minder objektive Be-trachtung dieser Bilder gekommen, und Brückner bemüht sich um eine lesbareDarstellung dieser„ Kunstpopularisierung". Er bearbeitet die Ikonographie derfrühen Öldrucke, sieht das Aufkommen neuer Themen, die sehr bezeichnendeHochkunstrezeption, die ja immer weitergeht, und gliedert dann den von ihmerarbeiteten Bestand der profanen und der religiösen Schlafzimmerbilder derzwanziger Jahre. Abschließend versucht er den Weg vom Sofabild zum Zimmer-schmuck zu überblicken.
Diese Dinge lassen sich mit den Mitteln der bisherigen Volkskunde kaumüberschauen. In einigen Instituten sind eigene Sammlungen, zumindest Karteiendarüber angelegt worden. Was die Intention betrifft, so wird sie von„ Bewälti-gung des 19. Jahrhunderts" bis ,, Gegenwartsvolkskunde" schwanken. Vermutlichwird man die Beschäftigung mit diesen Gegenständen noch längere Zeit als,, Geschmackssache" erklären. Aber es ist wohl gut, daß sich jemand des Gebie-tes überhaupt annimmt.Leopold Schmidt
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