besonders Paul Zaunert gesammelt hat. Aus seinen Sammlungen sind daheretwa zwei Drittel der hier veröffentlichten 30 Geschichten genommen, leider ohneirgendeinen Hinweis auf die jeweilige Herkunft. Der genauere Märchenfreundmuß sich also seine Anmerkungen selber machen, was wohl ein Geduldspiel seindürfte.Leopold Schmidt
Gerd- Heinz Mohr, Das vergnügte Kirchenjahr. Heitere Geschich-ten und schmunzelnde Wahrheiten. 174 Seiten. Düsseldorf- Köln 1974,Eugen Diederichs Verlag.
Kein wissenschaftliches Buch, eher ein Gegenstück etwa zum„ Studiosusjovialis" des Odilo Schreger oder zu anderen alten erbaulichen Schwank- undScherzsammlungen. Mohr stellt nach dem Lauf des Kirchenjahres Geschichtenzu Weihnachten, Fastenzeit, Ostern, Pfingsten, Kirchweih, Reformationsfest zu-sammen, fügt Geschichten von den Heiligen, ihren Festen und Wallfahrten hinzuund einige Schwänke, die vom Jüngsten Gericht handeln. Es sind alte Schwänke,neuere Scherze, ganz aus der Gegenwart geschöpfte Witze, wie sie in denSammlungen von Geschichten um Papst Johannes XXIII. usw. zu finden sind.Ein nicht geringer Teil gehört der Gruppe„ Kindermund" an. Quellen sind nurin wenigen Fällen angegeben; wer das vergnügliche Büchlein ernsthaft benützenwill, muß sich die Quellen selbst suchen und an den Rand schreiben. Da es sichum viele und auch manche seltene Geschichten handelt, wäre eine solche privateNacharbeit wohl lobend. Wenn ein Seminar die Arbeit übernehmen, und Die-derichs ein Quellenheft herausbringen würde, wäre es freilich noch netter. Aberso etwas ist ja kaum zu erhoffen.Leopold Schmidt
Paul Schwarz, Die neue Eva. Der Sündenfall in Volksglaube und Volks-erzählung(= Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr. 77) 250 Seiten,1 Karte. Göppingen 1973, Verlag Alfred Kümmerle. DM 36,-.
Die„ neue Eva" ist jene Frau im Schwanktypus AaTh 1416, welche derVersuchung nicht widerstehen kann, in eine Schüssel hineinzuschauen, derenDeckel aufzuheben man ihr verboten hat. Natürlich hüpft aus der Schüssel eineMaus heraus, Eva ist als neugierig entlarvt und muß die Folgen tragen. Es kön-nen auch Mann und Frau sein, es kann auch ein Vogel sein, der aus der Schüs-sel herausfliegt, wie der Hänfling des Papstes Johannes XXII., aber im Prinzipist es immer dasselbe.
Über dieses Motiv hat Paul Schwarz, ein nicht nur volkskundlich, sondernauch theologisch gebildeter Kandidat, seine Dissertation bei Lutz Röhrich ge-schrieben. Es ist eine ungemein kenntnisreiche Arbeit geworden, deren Mittelteil,,, Die Beispielerzählung vom neuen Sünderpaar"( S. 71-182) bezeugt, wie viel-fältig das Motiv auftritt, welche Frühformen es im Mittelalter gegeben hat, wohlaus einem orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Anstoß her, wie sich dann die heute geläufigen For-men ab dem 17. Jahrhundert verbreitet haben, und zwar mit einer ungemeindichten literarischen Verarbeitung.
Wenn man das diesem Hauptkapitel vorangestellte Kapitel„ Entwicklungs-geschichte der volkstümlichen Erzählüberlieferung vom Sündenfall" liest, dannwird man sich freuen, eine kenntnisreiche Darstellung jener Dinge zu bekom-men, die einstmals Wilhelm Koppers in seinem„ Urmensch und sein Welt-bild"( Wien 1949) so gar nicht im Sinn einer wirklichen Ethnologie angeschnit-ten hatte. Die Paradiesesgeschichte als Volkserzählung, das wäre schon damalsdas Thema gewesen. Hier wird das Thema sachgerecht ausgeführt, mit einererstaunlich reichen Heranziehung der Literatur sowohl über die Urzeitmythender Naturvölker Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölker und der Hochkulturen, über die biblische Paradieserzählung,wie über die volkstümlichen Gestaltungen und Erweiterungen des biblischen
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