dort Gezeigten. In ihm wurden die drei wichtigsten Hauslandschaften desSchwarzwaldes mit den drei„ aussagekräftigsten Schwarzwaldhäusern", mit demHippenseppenhof aus dem Hochschwarzwald, dem ortsständigen„ Vogtsbauern-hof" von 1570 des Gutachtales und dem„ Lorenzenhof" aus dem nördlichanschließenden Kinziggebiet, vereinigt. Hermann Schilli suchte damit zugleichdie wichtigsten Züge dieser Wäldler Region und eigenständigen KulturlandschaftSüdwestdeutschlands zu erfassen, an der ehemals vorderösterreichische Herr-schaftsgebiete Anteil hatten und sich mit protestantisch- württembergischen teil-
ten.
Dem Buch sind viele und grundlegende Forschungsarbeiten zum Hausbau,über Volkskultur und Landeskunde vorangegangen, nicht zuletzt ein eigener,, Führer durch das Museum" vom gleichen Verfasser ¹). Das spürt man unddas hebt es sehr deutlich von ähnlichen anderen, vornehmlich auf das Bildabgestellten Darstellungen ab. Es besticht durch seine gediegene, außerordent-lich kenntnisreiche Darlegung der Museumsbauten ebenso wie durch zahlreicheinteressante Details über das Hauswesen, das Arbeitsleben und die Wirtschafts-geschichte( z. B. Köhlerei, Pecherei, Flößerei, Glasmacherei, Strohflechterei,Uhrmacherei). Man findet hier also Hinweise auf alte Schlafsitten, Nachtfreie-rei, Totenbett, Feuerwirtschaft, Sparherdentwicklung( seit 1556), Geheimver-stecke in Speicher und Haus, Bienenhaltung, Pferdeanspannung, Stallhaltung,Tennzeichnungen, die reich vertretene Imagerie( aus dem elsäss. Weißenburg),Hinterglasmalerei, die Tracht und ihre Entwicklung( Schwarzwälder„ Bollen-hüte"). Hier möchte ich am liebsten hinweisen auf die prachtvollen Krippen-figuren zum einstigen Schwarzwälder Volksleben( um 1800), die sich heute alsVermächtnis der Mönche von St. Blasien im Benediktinerstift zu St. Paul inKärnten befinden und die seitens der Volkskunde bislang nur wenig Beachtunggefunden haben. Ebenso trefflich beschreibt Schilli die Technologie der Was-sermühlen, Sägen, Stampfen und Pressen neben zahlreichem Arbeitsgerät. Man-ches mutet den Österreicher sehr bekannt an: die Glockentürmchen der Hei-denhäuser Glossar ::: zum Glossareintrag denhäuser im Hochschwarzwald( angeblich gibt es sie seit der Gegenreforma-tion), die hohe Stubenkultur, der„ Tiroler Ofen" im Leibgedinghäusle, die hoheBrennholzbühne(„ Hürdli") der Rauchküche, die Tennzeichnungen, die Scheu-nenwirtschaft mit Tiefbansen und der„ Fahr"( Hochtenne) und anderes. Her-mann Schilli hat alle diese Dinge in zahlreichen Vorstudien wissenschaftlichuntersucht; ein Verzeichnis dieser wichtigsten Arbeiten aus dem Schwarzwald,die hier anklingen, würde das Buch sehr bereichern und sollte für eine gewißzu erwartende Neuauflage vorgesehen werden. Hervorzuheben sind auch diePlanzeichnungen und Fotos, besonders die Schwarzweißbilder, die sich ohneAufdringlichkeit dem Vorhaben einfügen, nämlich eine fundierte und gemein-verständliche Beschreibung vom einstigen Schwarzwälder Hausleben zu geben.Oskar Moser, Graz
Christa Hinze, Märchen, die die Brüder Grimm nicht kann-ten. Illustriert von Maria Gamundi.(= Diederichs Löwenbücher 10)168 Seiten. Düsseldorf und Köln, 1975. Eugen Diederichs Verlag. DM 10,80.In seiner neuen volkstümlichen Märchenreihe bringt der Diederichs Verlagwieder einen Band heraus, den man trotz des sprachlich schwachen Titels alslesenswert ansprechen möchte. Es handelt sich um Märchen und märchenartigeGeschichten, wie sie in den Sammlungen nach Grimm vorkommen, und wie sie
1) Hermann Schilli, Schwarzwälder Freilichtmuseum: Vogtsbauern-hof in Gutach im Schwarzwald- Führer durch das Museum, mit Zeichnungenvon Helmut Richter, hrsg. vom Ortenaukreis Offenburg. 4. Aufl. 1974,79 Seiten, 2 Planübersichten, 3 Karten.
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