untersucht zunächst die„ Volkssprachliche Wortgestalt", in der minutiösen Artder germanistischen Mundartforschung, einschließlich der Wortgeographie. Dannfolgt die Untersuchung der„, Sagen- und Erzählgestalt", mit besonderer Darbie-tung des„ Modells Vernuer", wo Insam eben genau nachgesammelt hat. Be-merkenswert, daß man auf den Einödhöfen von Vernuer am Eingang desPasseirtales nicht nur den Nork kennt, nach ihm eine Höhle, das Norkloch,benennt, sondern daß dort ein Körperbehinderter auch„ Nörkeler" schnitzt( S. 51). Man denkt an Gegenstücke wie die Rübezahl- Figürchen aus dem Rie-sengebirge. Die weitere Untersuchung geht sehr eindringlich auf den Sagen-bestand, auf das Orkenlied in der Sprachinsel Ljetzen( Giazza) und alle weite-ren Ausgestaltungen bis zur Aufnahme in die Perkeo- Romantik der Gegenwartein. Die einzelnen Schichten der Gestaltung des dämonisch- elbischen Wesenswerden vorzüglich herausgearbeitet.
Insam bleibt dabei nicht stehen, sondern gibt im weiteren Auskunft überdie ,, Diachrone Komponente der Wort- und Erzählgestalt", das heißt, er erörtertdie Bezeugungsgeschichte der Sagengestalt nach ihren literarischen Erwähnungenin der Antike und im Mittelalter, in mittelateinischen Benediktionen ebenso wiein mittelhochdeutschen Dichtungen. Eine besonders eindrucksvolle Sammlungstellt die der„ Bezeugungen in Flurnamen" dar. Auch sie ist chronologischangeordnet, wobei die älteste Bezeugung„ In Orcai" für St. Pauls in Eppan be-reits 1220 erfolgt. Der Arbeit ist eine eigene„ Dokumentation" beigegeben, dieeine sehr umfangreiche„ Sagenbestandstabelle" mit Angabe des Sagengeschehens,der Lokalbezüge und der Quellen, und schließlich noch eine Textausgabe derNork- Sagen bietet. Bei der Genauigkeit, mit der Insam gearbeitet hat, ist einLiteraturverzeichnis und ein Wortverzeichnis geradezu eine Selbstverständ-
lichkeit.
Man wird sich über diese eminent fleißige Dissertation über eine sehrbemerkenswerte inneralpine Sagengestalt herzlich freuen dürfen.
Leopold Schmidt
Anna Wielander- Platzgummer, Sou geats Jor um mer. Kinderreime ausdem Vinschgau. Gesammelt und illustriert. 64 Seiten. Meran( 1975),Verlag Hermann Unterberger. Lire 2000,-.
Ein liebenswertes Büchlein. Die Verfasserin hat die alten Reime mundart-getreu aufgezeichnet und lose gruppiert: Sprüchlein für Wiegenkinder, Lieder fürKleinkinder, Spielreime, Necksprüche und schließlich Liedstücke, wie sie ausverschiedenen Zusammenhängen in Erinnerung geblieben sein mögen. Die Dar-bietung ist schlicht, aber was landschaftlich zu erläutern ist, das wird in denAnmerkungen am Schluß des Bändchens erklärt, wobei auch einige Hinweiseauf Jahresbräuche wie das Dreikönigsingen oder das Scheibenschlagen abfallen.Erinnerungen an die Zeit, da die Kinder ins Schwabenland zur Arbeit ver-schickt wurden, fehlen nicht. Das mit originellen Zeichnungen der Verfasserinausgestattete Bändchen stellt eine erfreuliche Neuerscheinung dar.
Leopold Schmidt
Hermann Schilli, Das Schwarzwälder Freilichtmuseum- DerVogtsbauernhof. Mit Fotos von Heinz Finke und Rolf Heitz.Lahr/ Schwarzwald- Moritz Schauenburg Verlag( 1975), 102 Seiten,1 Museumsplan, 2 Karten, zahlreiche Abb. in Farbe und Schwarzweiß.ISBN 3-7946-0113-0.
Das hübsch ausgestattete Buch des bekannten Freiburger Hausforschersund Begründers des seit 1963 auf 18 Objekte angewachsenen SchwarzwälderFreilichtmuseums in Gutach vermittelt eine treffliche Zusammenfassung des
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