Dorf bis zum Weiler und zum Einzelhof verzeichnet, wobei die alten Namenin ihrer Schreibweise bemerkenswert bleiben. Sie haben die großen Kirchenebenso wie die kleinen kartographisch festgelegt, auch die Wallfahrten und dieEinsiedeleien. Nicht nur die Bergwerke, die selbstverständlich waren, sondernauch die kleinen Bauernbadeln haben sie dankenswerterweise verzeichnet. Sodarf man das berühmte Werk wohl auch als volkskundlich bedeutsam anspre-chen. Daß es jetzt in einem vorzüglichen Faksimiledruck vorliegt, den derInnsbrucker Geograph H. Kinzl mit einem eindringlichen Geleitwort versehenhat, ist dem Verlag herzlich zu danken.Leopold Schmidt
Peter Schenk, Die Almwirtschaft im Alpbachtal( Tirol) inGeschichte und Recht. Innsbrucker staatswissenschaftliche Dis-sertation( 1962) für die Drucklegung durchgesehen und herausgegeben vonNikolaus Grass(= Veröffentlichungen der Universität Innsbruck, Studienzur Rechts-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte, Bd. IX) Innsbruck, Öster-reichische Kommissionsbuchhandlung, 1974. 304 Seiten. S 390,-.
Mitunter kann man merkwürdige Veröffentlichungen über unsere Alpen-länder lesen, beispielsweise über das Zillertal und seine Menschen, und zwarvon volkskundlich vorgebildeten Leuten aus bundesdeutschen Universitätsinsti-tuten. Nach ihrer Kenntnisnahme möchte man meinen, daß dieses Fach vonniemandem mehr ernstgenommen werden kann.
Dann aber stellt sich heraus, daß ganze Themenkreise der alpenländischenVolkskunde mit großem Interesse von befreundeten Nachbardisziplinen behandeltwerden. Das gilt hinsichtlich des Almwesens beispielsweise von der Geographie,aber auch, und zwar speziell in Tirol, von der Rechtsgeschichte. Man weiß, daßvor einem Vierteljahrhundert die„ Rechtsgeschichte der Alpwirtschaft" von Ni-kolaus Grass ein bahnbrechendes Werk war. Grass hat all die Jahre hin-durch sein Thema nicht aus den Augen verloren, und hin und wieder aucheinen interessierten Schüler zur Weiterarbeit auf dem Spezialgebiet ansetzenkönnen. Auf diese Weise ist die„ Almwirtschaft des Schnalstales unter Ein-beziehung der Herdenwanderungen ins innerste Ötztal" von Karl- Heinz Wernerentstanden und 1969 veröffentlicht worden. Auf diese Weise ist auch diese Dis-sertation des Münchners Peter Schenk 1962 entstanden, und da sie wertvollgenug war und ist, hat sie nun Nikolaus Grass selbst noch einmal durchgearbei-tet und in persönlich bereicherter Form herausgegeben. Der Fall mag unge-wöhnlich erscheinen; aber die Mitforschung ist Grass selbstverständlich dafürdankbar, daß auf diese Weise das Almwesen im heute so bekannten Alpbachtaleine eindringliche Darstellung erfahren hat.Leopold Schmidt
Bernd Dieter Insam, Der Ork. Studien zu einer alpinen Wort- und Erzähl-gestalt(= Motive. Freiburger Folkloristische Forschungen, Bd. 5) 221 Sei-ten, mit 4 Karten. München 1974, Wilhelm Fink Verlag. DM 68,—.
Die gewissenhafte Monographie einer Sagengestalt, welche vor allem aussprachlichen Gründen schon seit langem von der bairisch- österreichischenMundartforschung untersucht wurde. Anton Pfalz hat schon 1914 darübergearbeitet. Insam, selbst aus Südtiroler Familie, hat das gesamte Material, dasvor allem in den Wörterbuchkanzleien vorliegt, durch eigene Aufnahmenergänzt, und daraus nun diese ungemein eindringliche Arbeit geschaffen, diebereits 1968 als Münchner Dissertation vorlag, aber bis zur Drucklegung immernoch ergänzt wurde.
Der Ork, oder Lork, oder Nork, das Nörgele, und wie die Wortformensonst lauten, stammt von lat. orcus, und ist wohl auf verschiedenen Wegen vonder antiken Unterweltsgestalt zum alpenländischen Dämon geworden. Insam
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