Schulen geschrieben, es ist ja auch als Klassenlesestoff zum Unterrichtsgebrauchfür die 3. bis 5. Schulstufe der Volksschulen und die 1. Klasse der Hauptschulenund allgemeinbildenden höheren Schulen zugelassen. Gut so, aber nun möchtenwir wissen, wonach die Eignung für diese Schulstufen beurteilt wird. Sollen dieSchüler die sagenhafte Fassung von historischen Ereignissen kennenlernen? Daswäre ja möglich, Winkler gibt reiches Sagenmaterial dafür. Zuerst kommenSagen von Schweden, dann von Hussiten, dann von den Rosenbergern, dannvon der Gründung von Hohenfurth,- die Geschichte läuft also zutal, undman wird den Grund dafür nicht feststellen können.
Das gut gemeinte und äußerlich schöne Buch stellt also vor allerhandFragen, die wohl nur der Verfasser beantworten könnte. Das heißt schließlich,daß man Sagensammlungen in dieser Form wohl nicht gutheißen kann, weil sieihr Stoff doch von einer subjektiven Meinung des Verfassers wegrückt. Mankann Sagensammlungen nicht nur ganz anders machen, man soll es auch.
Leopold Schmidt
Maria Kundegraber, Backmodel aus Bauern- und Bürgerhäu-sern. Katalog der gleichnamigen Sonderausstellung des SteirischenBauernmuseums. 56 Seiten mit 8 Abb. Stainz 1975.
Maria Kundegraber hat vor einigen Jahren die Leitung der AußenstelleStainz des Steirischen Volkskundemuseums übernommen( ÖZV XXVIII/ 77,1974, S. 284 ff.) und das Museum in dem gewaltigen Schloß Stainz rasch undwohlüberlegt aufgestellt und zugänglich gemacht. Aus dem Material, das sichweitgehend auf Gewinnung und Bereitung der Volksnahrung in Steiermark be-zieht, läßt sich nicht nur eine Hauptaufstellung gestalten, es ist auch genug Stofffür Sonderausstellungen vorhanden. Aus diesem Stoff wie aus verschiedenenLeihgaben hat Maria Kundegraber nunmehr eine erste Sonderausstellung( vom7. Juni bis zum 31. Oktober 1975) gestaltet, und dazu erfreulicherweise aucheinen schönen Katalog vorgelegt. Es geht um die Arbeitsvorgänge: Zubereitungdes Teiges, Formen des Teiges durch Radeln, Gießen und Tauchen, Form-gebung durch Ausstechen, Kleinbäckerei aus Blechformen, Waffeln und Hohl-hippen, Lebzelten und Tragant, und dazu nun die Backmodel von Blech,Kupfermodel, Backmodel aus Schwarzton, Gugelhupfmodel gestern und heute,die Backformen von Ton, Gugelhupfmodel aus Steingut, Krapfenmodel oderDalkenmodel und schließlich Rehrückenmodel. Die Objekte sind genau be-schrieben, womöglich ihrer Herkunft nach festgelegt, mit dem Hinweis auf diesteirischen Kochbücher versehen, aber auch mit den abschließend dargebotenen,, Historischen Rezepten aus der Steiermark". Man segnet wieder einmal die Tat-sache, daß in der Volkskunde auch weibliche Kollegen wirken, die sich sachver-ständig mit diesen Dingen beschäftigen können. Auf diese Weise ist doch eineAusstellung entstanden und ein Katalog dazu vorgelegt worden, die man wirk-lich als Bereicherung unseres Wissens bezeichnen kann.
Leopold Schmidt
Peter Anich und Blasius Hueber, Atlas Tyrolensis. 1774. Faksimile-druck nach einer Originalausgabe im Besitz des Tiroler Landesarchivs, Inns-bruck. Herausgegeben und mit einem Begleitwort versehen von H.Kinzl. Innsbruck 1975, Universitätsverlag Wagner Ges.m.b.H., S 645,-.Vor zweihundert Jahren ist diese berühmte Karte von Tirol erschienen,die als eines der schönsten Kartenwerke der alten Zeit gilt. Anich und Hueber,beide bäuerlicher Herkunft, haben nicht nur die Berge und Flußläufe, sondernauch die Wälder und Hochweiden eingezeichnet, wobei den Almen eine eigeneSignatur gegeben wurde. Sie haben alle Siedlungen, auch die ländlichen, vom
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