Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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Bildband zu Adolf Spamers Deutscher Volkskunde" erinnert. Im anschließen-den Katalog finden sich dann präzise alle notwendigen Angaben für den Wissen-schaftler samt Hinweisen über weiterführende Literatur.

Den einführenden Text scheint ein Hauch von Strukturalismus zu um-geben. Da ist viel von der Sprache" der Gegenstände, von zeichenhaftem"Verhalten, von Bildersprache" und Sprache" der Sinnbilder, der Sprache"der Farben die Rede. Nun: Sprache ist ein Verständigungsmittel, Teil einesKommunikationsprozesses. Zeichen müssen verstanden werden sowohl vondenen, die sie in Auftrag geben oder anfertigen, wie von denen, die sie empfan-gen, betrachten, tragen. So offenbart auch dieses Buch den Zeichencharakterkultureller Güter als Teile sozialer Systeme, innerhalb derer sie Gültigkeit und,, Stimme" besitzen.

Beitl zeigt, wieviel Sachwissen und historisches Einordnungsvermögen Vor-bedingung für eine derartige Deutung" von Volkskunst ist.

Ingeborg Weber- Kellermann

Fritz Winkler, Sagen aus dem Böhmerwald.(= Band 4 der Reihe,, Sagen aus dem Mühlviertel".) 312 Seiten, Textillustrationen von GerhardHirnschrodt. Linz 1974, Oberösterreichischer Landesverlag. S 128,-.

Fritz Winkler gibt seit mehreren Jahren bereits Sagensammlungen heraus,bisher auf das Mühlviertel beschränkt. Als Herausgeberschaft zeichnet die Ar-beitsgemeinschaft für Heimatkunde und Heimatpflege im Bezirk Rohrbach. Dervorliegende Band greift über das Mühlviertel in den Böhmerwald aus, die Ver-bindungen sind ja immer enge gewesen. Im Nachwort bekundet Winkler, daßaus dem Böhmerwald Heimatvertriebene, die im Mühlviertel ansässig gewor-den sind, diese Sagen noch weiter erzählten. Er selbst hat die Texte aus Adal-bert Stifter entnommen, ferner aus den verschiedenen Sagensammlungen,die vor dem ersten Weltkrieg im Preẞverein Rohrbach erschienen sind,und aus den Heimgartenabenden" von P. Zephyrin Tobler. Die Quellensind nicht im einzelnen nachgewiesen. Mündlich überliefertes Erzählgut verdanktWinkler seiner Angabe nach dem Bauern Josef Pan hölzl am Oberschön-hub bei Hohenfurth. Das Ganze ergibt ein schönes Buch, mit guten Zeichnun-gen geschmückt.

Wer sich für die Sagen genauer interessiert und nach ihren Quellen fragt,kommt über die genannten knappen Angaben nicht hinaus. Bei Stichprobenwird er bald merken, daß man einen genauen Vergleich mit dem besten Buchauf diesem Gebiet, nämlich Gustav Jungbauer, Böhmerwald- Sagen, Jena1924, durchführen müßte. Da käme man den Quellen näher, die Jungbauer imAnhang genau angeführt hat. Manchmal glaubt man greifen zu können, woWinkler geschöpft hat: Die Mäusesage Der Krämer und der Schatz"( S. 80)beginnt bei ihm Vor vielen Jahren", das ist aber auch die einzige Abände-rung gegenüber dem Text bei Jungbauer( S. 179), wo es Vor langen Jahren"heißt. Nur daß Jungbauer genau zitiert hat: Seine Fassung stammt aus denDeutschen Sagen der Brüder Grimm( Nr. 332), deren Quelle Wenzel, Drama-tische Erzählungen" sich freilich nicht mehr so leicht verifizieren läßt.

Bücher sind nun einmal für verschiedene Sorten von Lesern geschrieben.Sagensammlungen für alle Arten von Sagen- Interessenten, und die Sagenfor-scher gehören eben besonders stark dazu: Und die wollen von so einem Bucheine Durchnumerierung der Sagen, wollen die Quellenhinweise, wollen Auskunft,warum die eine oder andere Sage umerzählt worden ist, und was der Gesamt-bestand nun eigentlich ausdeckt, nämlich die Kenntnis des Herausgebers, oderden( mehr oder minder fiktiven) Gesamtbestand, und was es an solchen Fragensonst noch geben mag. Aber das Buch ist offenbar mehr für den Gebrauch an

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