Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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meinernd nennt. Aber ein zusammenfassendes Buch mit sehr vielen guten Ab-bildungen ist jedenfalls zu begrüßen, vielleicht auch deshalb, weil doch zur Zeitverhältnismäßig viele derartige bemalte Häuser allenthalten restauriert wurdenund werden, und sich daher besser als früher photographieren lassen.

Das Buch geht historisch vor. Es bespricht die Bemalung der Profanbautenseit dem hohen Mittelalter, soweit sich eben Andeutungen davon erhalten haben.Die erste große Zeit ist die süddeutsche Renaissance, zu der es fast gleichzeitigdie Ergänzung durch das Sgrafitto gibt. Die im protestantisch gewordenenÖsterreich zahlreichen, zum Teil gut restaurierten Sgrafittohäuser sind nur inwenigen Beispielen gezeigt, die Literatur, beispielsweise Richard Kurt Donin,Das Bürgerhaus der Renaissance in Niederdonau, Wien 1944, ist leider nichtberücksichtigt. Die prangenden Fassaden von Augsburg, einstmals auch vonMünchen, kommen gut zur Geltung. Die Gegenstücke in Wien, beispielsweisedas Hasenhaus in der Kärntner Straße, sind leider untergegangen, aber immerhinin Kupferstichen bekanntgeblieben, hier freilich nicht erwähnt. Die Ausweitungdieser erzählenden Malerei auf das ländliche Haus auch schon in diesem Zeit-raum kommt vorzüglich zur Geltung. Zu den Bildinhalten eine kleine Korrektur:Auf dem schönen Gasthof zum Stern in Ötz ist ein Musikerpaar dargestellt. Eshandelt sich dabei um den Spieler eines Dudelsackes und die Spielerin einerDrehleier, nicht eines Hackbrettes, wie bei Abb. 74 mitgeteilt wird.

Großartig dann der Bildstoff aus Barock und Rokoko. Nach den welt-lichen und alttestamentarischen Bildinhalten überwiegen nun in Bayern undTirol jene der Gegenreformation, vor allem der Heiligenverehrung. Freilich sindes eben die Kirchenmaler gewesen, die ihr Kunsthandwerk nun auf die Haus-fassaden übertrugen, ähnlich wie bei der Möbelmalerei. Nur selten treten nebenden Haus- und Feuerpatronen andere Gestalten auf, manchmal die Hausbesitzerund Bildbesteller. In ganz seltenen Fällen greift man auf sprichwortartige Evan-gelienstellen zurück wie beim Splitter und Balken", der hier Abb. 140 für Mitten-wald bezeugt erscheint. Das Gegenstück dazu wäre in Schärding( Unterer Stadt-platz Nr. 9) zu finden.

Das reiche Erbe ist einige Zeit hindurch im Klassizismus, vor allem imAllgäu und im Lechtal, noch weiter vermehrt worden. Das 19. Jahrhundertbringt viele Verluste, erst nach 1900 folgt eine Zeit eines neuen Verständnisses.Dann kommt die Zeit der Restaurierungen und heute die sicherlich nicht un-interessante Periode von Neuschöpfungen, denen hier ein gewisser Raum dochgegeben wird. Für die derzeitigen Bestrebungen der Street Art" fällt immerhinnoch ein Schlaglicht ab. Über die Maltechniken der Fassadenmalerei und überderen Restaurierung unterrichtet ein eigenes Kapitel von Helmut Odemer.Literaturverzeichnis und eine kleine Sammlung von Haussprüchen vervollständi-gen das schöne Buch.Leopold Schmidt

Klaus Beitl, Liebesgaben. Zeugnisse alter Brauchkunst. 168 Seiten mit48 Farbtafeln. Salzburg 1974. Residenz Verlag. S 298,-

Zunächst muß dem Verfasser bestätigt werden, daß er schreiben kann Erversteht es, seinen Stoff in einer im besten Sinne populärwissenschaftlichen Weiseauch denen nahezubringen, die bisher von Volkskunst und Minnegaben" nochkaum etwas wußten wie Sammler, Liebhaber, Touristen, Museumsbesucher. Under beweist damit, daß man die Dinge lesbar, ja sogar amüsant darstellen kann,ohne an wissenschaftlicher Solidität zu verlieren.

Freilich hat er es auch mit ausnehmend reizvollen Gegenständen zu tun:Auf 48 ausgezeichneten Farbtafeln finden sich Krüge und Gläser, Brautkronenund Gürtel, Kleider und Schmuck, gezierter Hausrat und Möbel, Liebesbriefeund Hochzeitsporträts. Jedes Bild ist mit einer ausführlichen Legende versehenund historisch- ökonomisch eingeordnet, was ein wenig an den unvergleichlichen

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